Archiv für September 2007

Valle Nevado

Am Sonntag war definitiv ein guter Tag! Ein sehr guter Tag! Nach ein paar eher weniger ereignisreichen Tagen, konnte ich mich gestern dazu „ueberwinden“, an einem Sonntag um 06.15 Uhr aufzustehen, meinen Rucksack zu packen und mich auf den Weg Richtung Anden zu machen. Genauer gesagt Richtung Valle Nevado. Es war nicht ganz leicht fuer mich, dort hin zu kommen, aber irgendwie habe ich es trotzdem geschafft – mit viel Geduld und vor allem mit mehr Glueck als Verstand.

Valle Nevado, ein aus dem Boden auf knapp 3000 Metern gestampfter, aus vier bis fuenf riesigen Hotels bestehender Skiort, der sehr an franzoesische Touristenhochburgen erinnert, befindet sich etwa 60 km von Santiago entfernt. Alleine die Fahrt dorthin war der Hammer! Der beste Film, den ich seit langem gesehen habe! Zuerst faehrt man in ein Tal hinein, dann schlaengelt sich die Strasse allmaehlich in Serpentinen in die Hoehe. Die Sonne scheint, Wolken sind hier fehl am Platz, ein Pferd steht auf der Strasse. Am Strassenrand stehen Chilenen und verkaufen Getraenke. Der Fahrer neben mir legt Musik auf. „Hoffentlich was gscheids“, denke ich mir. dididi di didi, dididi di didi, dududu didumdidum.. Jawohl! „Hotel California“ von den Eagles droehnt aus den Boxen. So kann der Tag weiter gehen.

Die Fahrt hat etwa eineinhalb Stunden gedauert. Das Skigebiet an sich kann mit den Skigebieten in Oesterreich, Italien, Frankreich und der Schweiz bei weitem nicht mithalten. Auch unser geliebtes Brauneck wuerde ich bevorzugen. Allerdings war die Gegend landschaftlich natuerlich ein Traum. Das Problem ist naemlich, dass Valle Nevado schon auf knapp 3000 m liegt, der hoechste Punkt jedoch nur auf 3670 m. Das heisst, die Abfahrten sind alle nicht sehr steil und lange, allzuviel Schnee lag auch nicht mehr, die Saison ist bald zu Ende, trotzdem waren die Pisten besser als erwartet praepariert.

Summa summarum, der Tag war alles andere als billig – Skifahren koennen sich hier nur die Reichsten oder halt auslaendische Touristen leisten -, aber auf alle Faelle sein Geld wert. Naechstes Wochenende moechte ich wieder Richtung Anden aufbrechen. Dann allerdings zu Fuss und mit Zelt.

Santiago de Chile 3

So, ich habe nun schon meinen zweiten Tag in der Sprachschule ueberstanden und moechte noch ein bisschen etwas ueber das Leben in Santiago erzaehlen.

Man bekommt sicherlich keinen Kulturschock, wenn man aus dem Flugzeug steigt – junge Leute laufen in Megadeth, Kreator oder Nightwish T-Shirts herum, es gibt Nutella und Dosenbier von Loewenbraeu und Paulaner im Supermarkt und selbst die bei uns nur minimal ausgepraegte Emo-Welle hat die Stadt erreicht -, allerdings wirkt auch vieles ein bisschen “auf den Kopf gestellt”. Die Sonne wandert nicht ueber Sueden, sondern ueber Norden von Osten nach Westen (wir befinden uns hier auf der Suedhalbkugel!!!), die Strassen sind wie in den Staaten quadratisch angeordnet, weshalb man schon mal eine Stunde auf ein und der selben Strasse entlang laufen kann, die Orientierung faellt dadurch aber sehr leicht, und wenn im schoenen Bayern der Winter beginnt, legt selbst der verfrorenste Chilene seine Winterjacke ab. Bemerkenswert ist, dass ich bisher nur zwei McDonald’s, einen Burger King und einen Subway gefunden habe. Der Einfluss der US-Amerikaner haelt sich also doch in Grenzen. Kein Wunder, denn chilenisches “Fast-Food” wie beispielsweise Empanadas sind nicht zu verachten. Da sticht einem vielmehr der Einfluss der Deutschen bzw. der Bayern ins Auge. Bis jetzt kenne ich zwei bayerische Lokale: das eine heisst “Bavaria”, das andere “Muenchen”. Wie einfallsreich.

Gestern habe ich beim Besuch des Palacio Cousiños, einem kleinen Palast mit europaeischer Architektur, die sehr an das Schloss Linderhof erinnert, wieder einmal gemerkt, wie wenig mich solch uebertriebene Selbstdarstellung beeindruckt – waehrend auf der Strasse Leute verrecken. Das mag vielleicht der Grund sein, warum ich noch nicht so viel fotografiert habe. Kommt aber noch. Versprochen! Vielmehr hat mich fasziniert, mit welcher Entdeckungsfreude ein an der Fuehrung teilnehmender Junge von schaetzungsweise fuenf Jahren die verschiedenen Raeume betrachtete.

Das Wochenende steht vor der Tuere und ich spiele mit dem Gedanken meine ersten Schritte in den Anden zu wagen, sei es mit dem Snowboard oder zu Fuss.

Santiago de Chile 2

Ich habe gerade meine erste Spanischstunde mit meiner bezaubernden Lehrerin, deren Namen mir im Moment leider nicht mehr einfaellt, ueberstanden und kann jetzt praktischerweise immer in der Sprachschule ins Internet.

Gestern habe ich meine aeusserst sympathische, deutsche Mitbewohnerin Annette kennengelernt, die, wie sich herausstellte, doch nicht aus Mainz, sondern aus dem nahen Garmisch kommt. Noch ein Bayer also im fernen Chile! Sie hat einen chilenischen Freund, arbeitet bei contactchile.com und kann mir viele hilfreiche Tipps geben, was das Leben in Chile betrifft.

Die letzten beiden Tage habe ich damit verbracht, Santiago sowohl zu Fuss als auch mit der Metro zu erkunden. Das Elend haelt sich in den von mir bis jetzt besuchten Vierteln Ñuñoa, Providencia, Bellavista, einem Kuenstlerviertel, und dem Zentrum in Grenzen. Gestern wurde ich auf dem Plaza de Armas von einem angeblichen Lehrer, der eine Theatergruppe mit Kindern leitet, die das Downsyndrom haben, angesprochen. Er wollte eine kleine Spende, allerdings bezweifle ich sehr, dass er die Wahrheit gesagt hat. Da steckt man dann in einem Zwiespalt. Natuerlich unterstuetze ich Kinder, die das Downsyndrom haben, aber mit der Masche koennte man auch sehr leicht den Touristen das Geld aus der Tasche ziehen. Da koennte ja jeder kommen. Naja, ich gab ihm schliesslich 1000 Pesos, umgerechnet 1,40 €. Selbst wenn es eine Masche war, um an Geld zu kommen: ich habe mich mit ihm bestens unterhalten, er war sehr freundlich, wusste ueber Gott und die Welt bescheid und ich konnte meine Spanischkenntnisse unter Beweis stellen. Somit hat er sich das Geld so und so verdient. Trotzdem finde ich es nicht richtig, die Gutmuetigkeit anderer Menschen auszunutzen. Aber was ist schon richtig? Von irgendetwas muss er ja auch leben.

Fotos kommen in Kuerze, ich war bis jetzt noch nicht so fleissig. Vielleicht noch ein paar Worte zum Wetter. Morgens weckt mich die Sonne auf, der Himmel zeigt sich von seiner besten Seite und ich spatziere trotz Fruehlingsbeginn in kurzen Hosen herum, weshalb mich so manch ein Chilene, immer noch eingepackt in Winterklamotten, mit verwunderten Augen begutachtet. Fuer mich ist im Moment Sommeranfang, so haette bei uns mal der August sein sollen.

Santiago de Chile 1

Ich sitze gerade in einem Internet Café in Santiago de Chile, der Hauptstadt des zu lang geratenen Landes. Nach einer ziemlich langen Anreise – Flug ueber Atlanta (die chilenischen Tastaturen sind furchtbar, es gibt naemlich keine aes, oes und ues) – bin ich gestern frueh voller Erwartungen bei meiner Austauschmutter namens Bessie angekommen. Ich wohne in einem kleinen Zimmer im 12. Stock mit Blick auf die noch schneebedeckten Anden. Mein erster Eindruck von Santiago ist durchaus positiv, allerdings laesst sich die Armut auch hier nicht verstecken – entlang der Autobahn gibt es nur Bretterbuden soweit das Auge reicht und auf der Autobahn laufen herumstreunende Hundebanden herum, von dem obligatorischen Dreck am Strassenrand (es gibt auch kein scharfes s) soll hier gar nicht die Rede sein. Die Leute hingegen sind unwahrscheinlich hilfsbereit und gastfreundlich. Den Tag beginne ich mit einem kraeftigen Schluck chilenischen Rotwein, mit dessen Hilfe ich meinen grandiosen Spanischkenntnissen freien Lauf lassen kann. In der Wohnung von der Bessie lebt noch eine 24-jaehrige Deutsche aus Mainz namens Annette, die ich aber noch nicht kennenlernen konnte, weil sie gerade Urlaub macht. Am Donnerstag beginnt mein Spanischunterricht. Soweit, so gut.


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