Archiv für Dezember 2007

Florianópolis 1

Bei dem Itaipu-Staudamm war ich leider nicht mehr, der Grossstadtdschungel von Foz do Iguaçu hat zu viel Zeit in Anspruch genommen. Von Blumenau war ich enttaeuscht, die Stadt konnte meine Erwartungen sicherlich nicht erfuellen. Eigentlich wollte ich deutsch essen, aber erstens habe ich keine deutsche Wirtschaft gefunden und zweitens waere das Essen total ueberteuert gewesen. Darauf kann ich gut und gerne verzichten. Das Oktoberfestgelaende war das Kitschigste, was ich je gesehen habe. Genug dazu.

Nun bin ich auf der anderen Seite des Kontinents angekommen. Florianópolis liegt auf einer vorgelagerten Insel und ist eine der Partyhochburgen Brasiliens – Surfen, schoene Frauen, Strand, Sonne und Sonnenschein, Samba -, weshalb bei uns im Hostel die Besoffenen im ganzen Haus verstreut herumliegen. Ein lustiger Anblick. Ich bin momentan noch am raetseln, ob ich gestern weggegangen bin oder nicht. Wir wollten in einen Club im Norden der Insel gehen, doch ploetzlich bin ich mitten in der Nacht in meinem Bett aufgewacht. Dazwischen ist eine grosse Luecke. Naja, gestern war ich am Strand, die Wellen sind nicht schlecht zum Surfen. Irgendwie ist es eine ganz andere Welt hier, eine Welt in der ich seit meiner Abreise erstmals wieder bin. Auch hier kann man sicherlich sein Bewusstsein erweitern, aber vielleicht nicht auf die Art und Weise, wie ich gerne wuerde, wobei ich bin fuer fast alle Erfahrungen offen.

Ich wuensche all meinen Lesern und natuerlich auch allen anderen einen guten Rutsch ins Jahr 2008, ich bin gespannt, was das Jahr alles bringen wird.

Foz do Iguaçu 2

Mit meinem jetzigen Hostel habe ich wirklich Glueck gehabt. Bis jetzt das beste Hostel meiner gesamten Reise und ich kann mir nur schwer vorstellen, dass ich ein noch Besseres finden werde. Ein wunderschoener Garten mitten im Gruenen mit ganz vielen Blumen, einem Pool und zwei Schwimmteichen, neben denen ich mein Zelt aufgeschlagen habe. Eine Gitarre haengt an der Wand, es gibt Internet, Billiard, Kicker und eine super Bar. Die Leute, die hier arbeiten, sind alle unwahrscheinlich nett und das Essen, das man hier bekommt, ist das beste Essen, das ich seit Monaten bekommen habe. Gestern Abend gab es Fleisch mit Zwiebeln und Spiegelei, Reis, Pommes, schwarzen Bohnen und Salat. Dazu ein Bavaria Dosenbier. Man fuellt sich hier wirklich wie zu Hause. Ich haette meine gesamte Zeit bei den Wasserfaellen hier verbringen sollen. Die Elektroparty habe ich zwar leider um ein paar Minuten verpasst – dauerte etwa 24 Stunden lang -, trotzdem hatte ich meinen Spass auf der After-After-Hour-Party. Also fuer alle die eines Tages auch nur in die Naehe der Wasserfaelle kommen: Hostel Natura.

Gestern konnte ich mich trotz dem geilen Hostel dazu aufraffen, den Parque Nacional do Iguaçu zu besuchen. Man sollte zuerst die brasilianische Seite erkunden, erst danach die Argentinische, welche wesentlich spektakulaerer ist.

Heute will ich mir noch den Itaipu-Staudamm anschauen - meines Wissens der groesste Staudamm der Welt mit einer Laenge von acht Kilometern -, bevor es weiter geht nach Blumenau. Blumenau ist eine „deutsche“ Stadt in Brasilien. Das dort jaehrlich stattfindende Oktoberfest gehoert zu den besten Parties weit und breit – das soll etwas heissen in Brasilien, denn die Brasilianer haben das Feiern erfunden.

Foz do Iguaçu 1

Nachdem ich Weihnachten beziehungsweise Heiligabend endlich ueberstanden habe – ich war mit ein paar sehr netten Leuten aus meinem Hostel typisch argentinisch essen, Bier und Sekt trinken und Billiard spielen  – habe ich mich heute auf den Weg nach Brasilien gemacht.

Hierzu eine kleine Anekdote aus dem Leben eines Vagabunden geschrieben in der 2. Person Singular, damit ihr euch besser in die Lage versetzen koennt: du wachst um neun Uhr auf, sieben Stunden Schlaf muessen reichen, tun sie aber nur bedingt, um zehn Uhr musst du aus deinem Hostel auschecken, schliesslich willst du heute noch nach Brasilien. Doch zuerst gehst du noch ordentlich fruehstuecken, es gibt Gummibroetchen mit Marmelade, zwei Minibananen und einen Apfel. Zudem trinkst du Schwarzentee mit viel Zucker und viel Milch, worueber du dich sehr freust, denn Milch bekommst du so gut wie nie auf deiner Reise. Du gehst noch schnell ins Internet und liest deine eMails, bevor du dich dazu ueberwindest, deinen Spinnt auszumisten – du bist nicht gerade der Ordentlichste – und deinen Rucksack systematisch zu packen – fuer dich inzwischen die reinste Routine. Du verabschiedest dich von den sehr netten Leuten, mit denen du Heiligabend verbracht hast, und gehst zum Busterminal. Der Bus nach Foz do Iguaçu faehrt in zehn Minuten, auf der Fahrt unterhaeltst du dich mit einem aelteren Argentinier, alles laeuft wie fast immer wie geplant, allerdings ist der grosse Rucksack in dem viel zu kleinen Bus ein echtes Hindernis. An der argentinischen Grenze holst du dir den Salida-Stempel, doch du wunderst dich, warum der Bus nicht am brasilianischen Grenzposten haelt, du brauchst ja schliesslich einen Entrada-Stempel. Fuenf Minuten spaeter sitzt du an dem Bushaeuschen, wo du auch sein solltest, um zu deinem neuen Hostel zu gelangen, allerdings realisierst du, dass du einen Stempel brauchst, wenn du laenger als einen Tag in Brasilien bleiben willst, sonst haeltst du dich illegal im Lande auf. Du weisst jetzt bereits, dass der Tag scheisse wird, dass alles schief laufen wird, was schief laufen kann. Der Taxifahrer will fuer die Fahrt zum Grenzposten umgerechnet 40 Pesos, nein danke, dafuer kannst du locker einen Tag leben, weshalb du mit all deinem Gepaeck zu Fuss zur Grenze laeufst. Das dauert eine halbe Stunde, die Sonne scheint, du schwitzt, du hast Durst, hast aber nichts zu trinken, du hast Hunger, hast aber nichts zu essen – wie immer halt – und die Autos schiessen an dir vorbei. Irgendwann hast du dann deinen Stempel, aus dem Bus, der gerade vor deiner Nase haelt, steigen die sehr netten Leute aus deinem Hostel aus, schliesslich hast du zu ihnen gesagt „see you in Brasil“, doch warum steigst du nicht in den Bus ein? Zu spaet, der Bus faehrt schon wieder weg. Egal, dann wartest du halt auf die anderen, du legst dich ins Gras und blaetterst in deinem Reisefuehrer, du hast ja genuegend Zeit und so schnell laesst du dich auch nicht aus der Ruhe bringen. Du bist ja schliesslich in Brasilien. Du wartest mit den anderen noch eine viertel Stunde, der Bus kommt, der Busfahrer will 3 Pesos, nein danke, die paar Meter laeufst du lieber, dafuer zahlst du kein Geld. Gesagt, getan. Du sitzt an einem anderen Bushaeuschen. Der Bus kommt und du steigst auch an der richtigen Stelle aus, der Anschlussbus wartet auch schon auf dich. Doch der Schweiss rinnt in Stroemen von deiner Stirn, der Rucksack wiegt halt doch etliche Kilo. Du hast bereits ein Schild von deinem Hostel gesehen, du kannst also nicht mehr weit weg sein. Da bist du ja schon, du steigst aus, gehst hinein, doch die haben keine Reservierung von dir. Kein Wunder, du bist ja auch im falschen Hostel. Dann wartest du halt noch einmal eine halbe Stunde auf den Bus, aus den Kopfhoerern deines MP3-Players ertoent Willy Michls „Isarflimmern“, mit Sehnsucht denkst du an deine Heimat, waehrend an dir ein alter VW-Bus aus São Paulo vorbeifaehrt. Irgendwann kommt dann auch wieder der Bus, du steigst ein, doch der faehrt wieder in die falsche Richtung. Du fraegst den Busfahrer auf spanisch, ob er denn nicht zum Hostel Natura faehrt. Doch die Urwaldlaute, die dieser von sich gibt, kannst du beim besten Willen nicht entschluesseln, weshalb du wieder aussteigst. Dann laeufst du halt, auf dem Schild steht 1500 m. Also halb so wild. Inzwischen werden die Wolken immer dunkler, es faengt an zu donnern, schliesslich nieselt es. Eine Minute spaeter verwandelt sich die Schotterpiste aufgrund des stroemenden Regens in eine regelrechte Rutschbahn und nur mit Muehe und Not schaffst du es, nicht hinzufallen. Von Kopf bis Fuss klatschnass erblickst du mitten im Nirgendwo ein Schild auf dem geschrieben steht: „Europa 10000 km“. Da wird dir klar, wo du gerade bist und wohl oder uebel musst du dich fragen, was zum Teufel du hier zu suchen hast. Irgendwann erreichst du dein Hostel, in dem lauter Negerbabies herumsitzen. Du denkst, du bist in Afrika. Szenenwechsel…

Du hast hervorragend gegessen, konntest auch deinen Durst baendigen, die Sonne scheint, du sitzt in Brasilien mitten in der Natur in einem wunderschoenen Garten mit Pool und zwei Seen, der Schweiss laeuft dir schon wieder von der Stirn, zu deiner Freude haengt an der Wand auch eine sehr gute, brasilianische Gitarre, auf der du eine deiner Leidenschaften ausueben kannst, vielleicht schreibst du spaeter ein Lied ueber das Leben eines Vagabunden. Die Leute verstehst du zwar immer noch nicht, aber du hast realisiert, dass in Brasilien eine unglaubliche Rassenvielfalt vorherrscht. Die Gedanken an deine Heimat von vorhin gehoeren bereits wieder der Vergangenheit an, du bist von der Richtigkeit deines Tuns ueberzeugt, du weisst, dass du zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist. Irgendwann hast du genug geschrieben und entscheidest dich dazu, in einen der beiden Seen zu huepfen.

Puerto Iguazú

Vorgestern bin ich in Puerto Iguazú - die Stadt auf der argentinischen Seite der Wasserfaelle - angekommen und habe mein Hostel bezogen, in dem ich noch die heutige Nacht verbringen werde.

Gestern habe ich dann endlich den Parque Nacional Iguazú erkunden koennen. Ich war ja anfangs ein wenig skeptisch und habe auch nicht grossartig viel erwarten, aber der Besuch hat sich auf alle Faelle gelohnt. Mein Hauptgedanke beim Betrachten der Wasserfaelle bringt es eigentlich auf den Punkt: „Is scho wahnsinn, wie des da runterdonnert!“ Ich habe den ganzen Tag im Park verbracht, ueber 300 Fotos geschossen, mir alles angeschaut, was es zu sehen gibt, bin Pfade entlang gewandert, Treppen gestiegen, war im Fluss am Fusse der Wasserfaelle baden. Zudem habe ich eine Jeeptour durch den Dschungel mitgemacht und eine Fahrt mit einem Schnellboot unternommen. Wir sind mit dem Boot direkt unter den Wasserfall gefahren, so dass die ganzen Touristen alle von Kopf bis Fuss nass wurden. Dies hat aber keinem auch nur das Geringste ausgemacht, denn bei den hier vorherrschenden Temperaturen kann man sich gar nicht oft genug erfrischen.

Heute goenne ich mir vielleicht Canoping im Dschungel und zum Dreilaendereck von Argentinien, Brasilien und Paraguay moechte ich auch noch.

Morgen geht es dann schon weiter nach Brasilien, worauf ich sehr gespannt bin. Dafuer werde ich heute noch bisschen Portugiesisch lernen, um fit fuer die Party am 26.12. zu sein, die auf meinem Campingplatz steigen wird – 16 Stunden non-stop elektronische Musik vom feinsten mitten in der Natur umgeben von jeder Menge Seen zum Baden.

Meine Reiseroute bis nach Buenos Aires, wo ich den Maggi treffen werde, um mit ihm gemeinsam den suedamerikanischen Kontinent unsicher zu machen, schaut folgendermassen aus: Foz do Iguaçu, Blumenau, Florianópolis, Porto Alegre, Punta del Este, Montevideo, Buenos Aires.

Jetzt bleibt mir eigentlich nichts anderes mehr uebrig, als euch allen frohe Weihnachten zu wuenschen. Fuer mich ein Tag wie jeder andere auch, aber eigentlich ist fuer mich ja jeder Tag etwas Besonderes, ich weiss nie, was mich im Laufe des Tages erwartet. Doch jetzt gehe ich erst mal im Pool eine Runde schwimmen.

San Ignacio

Nun bin ich wieder in Argentinien, genauer gesagt in San Ignacio. Die Tage davor habe ich gezwungenermassen in Posadas verbracht, wo ich im Grunde viel Geld fuer nichts ausgegeben habe. Eigentlich wollte ich mich dort mit dem Robert treffen, doch ein Treffen scheiterte daran, dass ich ihn einfach nicht telefonisch erreichen konnte. Zwei Mal hat es zwar geklappt, aber dann ist die Verbindung wieder abgebrochen. Ich glaube, er war sogar schon in Posadas, aber nach unzaehligen Versuchen habe ich schliesslich total genervt aufgegeben. Schade.

Jetzt verbringe ich zwei Naechte in San Ignacio auf dem billigsten Campingplatz, den ich finden konnte. Dort habe ich wenigstens meine Ruhe. Die Landschaft hier ist sehr schoen, alles ist gruen, Nadelbaeume wechseln sich mit Bannenstauden und Palmen ab. Vorhin habe ich eine alte Jesuitenmission besucht, nach dem Mittagessen werde ich mich in einem nahe gelegenen See erfrischen. Kaum zu glauben, dass in vier Tagen Weihnachten sein soll.

Morgen geht es dann endlich nach Puerto Iguazú, wo ich die besinnlichen Tage verbringen werde. Die letzten Tage waren nicht ganz so spannend – solche Tage muss es anscheinend auch geben -, so freue ich mich umso mehr auf die Wasserfaelle, eines der Highlights in Suedamerika.

Paraguarí

Aus Asunción bin ich im wahrsten Sinne des Wortes ganz schnell gefluechtet, denn die Stadt hat fuer Touristen rein gar nichts zu bieten – ausser Dreck, Laerm, Krach, Radau, Armut. Faehrt man mit einem Bus vom Busterminal ins Stadtzentrum, so befinden sich zeitweise mehr fliegende Haendler, die von Getraenken, Eis und Suessigkeiten bis zum Bierkrug, auf dem Munich geschrieben steht, alles verkaufen, als zahlende Fahrgaeste im scheppernden, dafuer bunt bemalten Bus. Man muss sogar Angst haben, dass der Bus vor lauter Dreck nicht stecken bleibt. Naja, ganz so schlimm war es nicht, aber die Stadt hat mir ganz und gar nicht gefallen.

Die naechsten drei Tage habe ich deshalb auf dem Land verbracht, genauer gesagt in der Naehe von Paraguarí etwa 60 km suedlich von Asunción. Dort habe ich den Karl besucht, einen 73-jaehrigen Rentner und gebuertigen Berchtesgadener, den ich in San Pedro kennengelernt habe. Seine Mutter war die erste Frau, die durch die Watzmann-Ostwand gestiegen ist und sein Bruder musste seine Leidenschaft zu den Bergen mit dem Leben bezahlen. Er dagegen hat mit Bergen nicht viel am Hut, ging lieber mit Anfang 20 fuer Mercedes zwei Jahre lang in den Iran und geniesst nun sein Leben vier bis fuenf Monate im Jahr in Paraguay. Tagsueber haben wir Ausfluege mit seinem neu gekauften Motorrad nach Piribebuy, die ehemalige Hauptstadt des Landes, und Yaguarón unternommen. Als die Landschaft nur so an uns vorbeiflog, musste ich doch ein wenig an einen nicht unbekannten Argentinier denken, der schon vor ueber 50 Jahren den suedamerikanischen Kontinent mit einem Moped eroberte. Gott sei Dank uebertrafen die Fahrkuenste des Karl Kellerbauers die des Che Guevaras, als ploetzlich eine Kuh auf der Schotterpiste stand, so dass wir nicht im Strassengraben landeten. Ich finde immer mehr Gefallen am Reisen mit dem Motorrad und das Lesen des Buches „Abgefahren“ wirkt dem sicherlich nicht entgegen. Das Buch – uebrigens sehr zu empfehlen – handelt von einem deutschen Paerchen, das urspruenglich in zehn Monaten mit dem Motorrad nach Japan fahren wollte. Daraus wurde letztendlich eine 16-jaehrige Reise um die ganze Welt. Ich bin vom Thema abgekommen, zurueck nach Paraguay. An den Abenden wurde dann die ein oder andere argentinische oder chilenische Weinflasche gekoepft. Dank dem Karl hatte ich die Moeglichkeit, Paraguay von seiner laendlichen, urspruenglicheren Art kennenzulernen. Die Staedte haben meist nicht viel mit dem Land an sich zu tun, doch das was ich beim Reisen schaetze, findet man fast ausschliesslich auf dem Land. In Paraguay ist alles spottbillig. Mir wurde erst relativ spaet bewusst, dass Paraguay ein recht armes Land ist. Geht man von dem Pro-Kopf-Einkommen des Landes aus, kann man Paraguay als eines der aermsten Laender Suedamerikas bezeichnen. Es ist nicht allzuviel „wohlhabender“ als Bolivien. Vielleicht ist das der Grund dafuer, warum uns so manch ein Paraguayer finster angeblickt hat. Dennoch waren die Leute sehr nett und hilfsbereit, es gab keinerlei Probleme, doch ich fuehle mich in Argentinien – in Chile sowieso – einfach wohler. Ab und zu hoerte man Schuesse. Paraguay gilt aber als sicheres Reiseland.

Gestern bin ich mit dem Bus an die Grenze zu Argentinien nach Encarnación gefahren, um von dort aus ins argentinische Posadas zu gelangen. Somit ging das „Abenteuer Paraguay“ nach fuenf Tagen schon wieder zu Ende.

Asunción

So schnell kann es gehen. Jetzt bin ich schon in Paraguay, genauer gesagt in der Hauptstadt Asunción. Meine Meinung ueber Staedte hat sich sicherlich nicht veraendert, aber ich schau mir die Stadt trotzdem an, wenn ich schon mal hier bin. Ich habe mich in einem billigen Hotel eingemietet, da es anscheinend im ganzen Land noch kein einziges Hostel gibt. Hier laeuft jeder Dritte mit einer riesigen Thermoskanne und einem „Mate-Trinkgefaess“ mitsamt Strohhalm herum. Auch mein Yerba Mate Konsum ist deutlich angestiegen und an einem Kauf eines typischen „Mate-Trinkgefaesses“ mitsamt Strohhalm – ich weiss leider noch nicht den Namen dafuer – werde ich wohl frueher oder spaeter nicht herumkommen. Der Geschmack haut mich nicht wirklich um, bei mir steht eher der soziale Aspekt des gemeinsamen Matetrinkens im Vordergrund. Aber ich frage mich ernsthaft: Macht Yerba Mate suechtig?

Ach ja, aus den drei Tagen Bergsteigen in Bolivien wurde leider nichts.

Resistencia

Die letzten beiden Tage habe ich im Parque Nacional Chaco in der Naehe von Resistencia verbracht. Die dortige Landschaft erinnerte mich an den Hackensee, nur hat hier alles ganz andere Dimensionen. Argentinien ist naemlich riesig! Ich war dort ganz alleine und abgesehen von einer 14 km langen Wanderung zu zwei Lagunen habe ich getreu dem Motto „Lieber NICHTS tun, als NICHTIGES tun“ gelebt. Lesen, kochen, schlafen, atmen. Nichts weltbewegendes, aber trotzdem ganz nett. Mein Reisgericht mit Salsa, Karotten und Zwiebeln, das ich immer koche, wenn ich in der Wildnis bin, haengt mir allerdings schon zum Hals raus. Ihr koennt euch gar nicht vorstellen, wie sehr ich mich auf eine eiskalte Cola gefreut habe. Staendig nur stilles Wasser - aufgrund der Hitze vor allem warmes Wasser - zu trinken ist auch nicht das Wahre.

Ansonsten darf ich behaupten, dass die argentinischen Frauen durschnittlich huebscher sind als die Deutschen.

Salta

Jetzt bin ich also in Argentinien. Die Fahrt nach Salta ueber den Paso de Jama war sehr beeindruckend. Eine perfekt asphaltierte Strasse auf einer Hoehe von mehr als 4500 Metern mitten in der unendlichen Weite der Anden.

Ich bin wieder unterwegs und es laeuft wie immer ausgezeichnet. Noch bevor ich in den Bus eingestiegen bin, habe ich meine naechste Reisebegleitung kennengelernt. Ein 24-jaehriger, italienischer Bergsteiger namens Umberto, der am Tag zuvor mit meinem Freund Gonzalo auf Kneipentour in San Pedro war. Natuerlich sass er rein zufaellig im Bus neben mir.

Meine ersten Eindruecke zu Argentinien: die Leute sind sehr freundlich und hilfsbereit, irgendwie scheint alles ganz anders zu sein als in Chile. Es erinnert mich doch ein wenig an Italien. Doch was die Anden an klimatischen Unterschieden bewirken ist schier unglaublich. Salta liegt ungefaehr auf gleicher Hoehe wie San Pedro, doch hier ist alles gruen und es ist sehr feucht. Keine Spur von einer Wueste. Es ist eine andere Welt.

Gestern Abend waren wir zum ersten Mal argentinisch essen. Es ging sehr fleischig zu.

San Pedro de Atacama 5

Inzwischen bin ich zwar schon im argentinischen Salta angekommen, doch abschliessend bin ich euch noch ein paar Worte ueber meine Zeit in San Pedro schuldig.

Ich bereue es auf gar keinen Fall, eine laengere Zeit an einem Ort geblieben zu sein, denn nur so hat man die Moeglichkeit, in die Tiefe zu gehen, Land und Leute kennenzulernen, Freundschaften zu schliessen, den oberflaechlichen Pfad des Touristen zu verlassen. Die Wochen in San Pedro werde ich mein Leben lang nicht vergessen, ich kann behaupten, es war fuer mich eine lebensveraendernde Erfahrung. Natuerlich positiv gemeint. Allerdings ist das Leben in San Pedro auch sehr anstrengend, es macht muede. Man kennt saemtliche Getraenkepreise einer jeden Kneipe in und auswendig und nach Kneipenschluss geht es weiter auf irgendeine Privatparty mit Gitarre und Lagerfeuer. Bis in die fruehen Morgenstunden. So habe ich zum Beispiel die letzten beiden Naechte mein „Bett“ nicht mal aus der Ferne zu Gesicht bekommen. Zwei Stunden Schlaf pro Tag darf ich als normal bezeichnen.

Meine Arbeit als Tour Guide habe ich mehr als gebuehrend beendet. Eigentlich habe ich bereits am Freitag gekuendigt, doch ploetzlich klingelt mein Handy auf dem Heimweg von einer typischen San Pedro Party. Am Samstag um fuenf Uhr in der Frueh. Meine Chefin Carolina. Ein Unfall ist passiert, Pablo kann nicht zu den Geysiren, du musst die Tour fuehren. Wann? Jetzt. Kurz gesagt, ich habe besoffen, in einer kurzen Hose und ohne Schlaf die Tour zu den Tatio Geysiren geleitet. Bei minus elf Grad! Das war definitiv meine beste Tour.

Ich habe das Nirvana zwar noch nicht ganz erreicht, aber ich bin kurz davor.

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