Archiv für Februar 2008

San Carlos de Bariloche

Der kurze Abstecher ins argentinische San Carlos de Bariloche, besser unter Bariloche bekannt, hat sich definitiv gelohnt. Alleine die Busfahrt von Puerto Varas dorthin war ihr Geldwert. Ich befinde mich nun naemlich im wunderschoenen Seengebiet, das mich mehr als jede andere Gegend an meine Heimat erinnert. Um sich von der Gegend auch ohne Fotos einen kleinen Eindruck zu verschaffen, nehme man einfach ein grosses Fleckchen Erde und positioniere dort den Wilden Kaiser und das Karwendelgebirge, willkuerlich umringt vom Chiemsee, Tegernsee, Schliersee, Sylvensteinsee, Achensee, Kochelsee und Walchensee. Naja, so in etwa zumindest. Die Stadt an sich kommt mir sehr schickimicki vor – was nicht unbedingt negativ gemeint sein muss, das kann auch Vorteile haben - und der Sich-selbst-als-Penner-fuehl-Faktor ist sehr hoch. Vergleichbare Anwesen – von Haeusern kann nicht mehr die Rede sein -, direkt an einem der zahlreichen Seen mit Blick auf die umliegenden Berge gelegen, findet man bei uns vielleicht nur noch am Tegernsee. Waere die spanische Sprache nicht allgegenwaertig, koennte man glatt vergessen, dass man sich in Argentinien befindet. Die 5-taegige Trekkingtour oder besser gesagt gescheite Bergtour habe ich in drei Tagen durchgezogen. Den kompletten zweiten Tag hat mich ein liebenswerter Hund auf Schritt und Tritt begleitet. Das war der anspruchsvollste Tag der gesamten Tour und meinen verbleibenden Trekkingstock konnte ich mit gutem Gewissen im Rucksack lassen, denn um die schwersten Passagen zu bewaeltigen, musste man schon Hand am Fels anlegen. Aus diesem Grund habe ich mir teilweise grosse Sorgen um den Hund gemacht. Aber am Ende sind wir doch beide wieder heil vom Berg gekommen. Den dritten und letzten Tag bin ich alleine gestartet, habe ihn allerdings unten wiedergetroffen, wo er dann ungluecklicherweise noch von zwei unglaublich ekligen Koetern – der einen Bulldogge kam schon Schaum aus dem Mund - angegriffen wurde. Wie sich herausstellte,  spielte der Hund, ich nannte ihn immer „loco“, Verrueckter, nicht zum ersten Mal den Bergfuehrer.

Soeben habe ich fuer morgen mein Busticket nach Osorno in Chile gekauft, um von dort aus noch am gleichen Tag nach Pucón zu kommen. Es bleibt mir letztendlich doch noch genuegend Zeit, um eine letzte Monstertour mit Vulkanbesteigung im Sueden Suedamerikas durchzuziehen, ein paar Freunde in Santiago wiederzutreffen, den guten, alten Bob zum zweiten Mal live erleben zu duerfen – sollte ich eine Karte auftreiben koennen – und dann rechtzeitig in Bolivien einzutreffen. Es laeuft also alles bestens! Mein Hunger sagt ja, mein Geldbeutel sagt ja: das nach einer anstrengenden Trekkingtour inzwischen obligatorische All-You-Can-Eat-Fleischmassaker beginnt in wenigen Minuten!

Puerto Varas

Ich habe wieder festen Boden unter den Fuessen. Die Fahrt mit der Faehre war alles in allem in Ordnung, hat mich aber nicht wirklich vom Hocker gehauen. Abgesehen von unserem ersten Morgen war das Wetter an den ersten beiden Tagen bescheiden. Nebel, Wind, teilweise Regen. Der dritte Tag war dafuer umso schoener! Zur Landschaft: Wirft man einen Blick auf die Karte, so kommt es einem vor, als gaebe es schaetzungsweise Milliarden von kleinen und grossen Inseln in dieser Gegend. Wahnsinn! Aber es schaut halt dann doch immer gleich aus. Und man kann es definitiv nicht mit Norwegen vergleichen! Wir sind durch Kanaele gefahren, nicht durch steilaufragende Fjorde, so wie ich es mir vielleicht vorgestellt bzw. gewuenscht habe. Den Uli, dem ich im Torres del Paine laufend begegnet bin, habe ich natuerlich wiedergetroffen. Ansonsten habe ich viele nette Leute kennengelernt. Es ging sehr familiaer zu, jeder kannte sozusagen jeden, was mir sehr gut gefallen hat.

Puerto Montt hat mich nicht interessiert, ich bin gleich weiter nach Puerto Varas gefahren. Eigentlich wollte ich den Vulkan Osorno auf der anderen Seite des zweitgroessten Sees in Chile namens Llanquihue erblicken. Doch leider spielt das Wetter nicht mit. Ich fahre heute noch weiter nach Bariloche in Argentinien und werde dann morgen vier Tage lang die Nahuel Huapi Traverse gehen, bevor es weiter geht nach Pucón. Von Chile und Argentinien habe ich schoen langsam genug, umso mehr freue ich mich auf die Andenlaender Bolivien, Peru und Ecuador.

Puerto Natales 2

Gestern habe ich mich vom Parque Nacional Torres del Paine verabschiedet, wo ich elf wunderschoene Tage erleben durfte. Landschaftlich ein Traum, wettermaessig dafuer eher durchwachsen, ein paar schoene Tage waren aber auf alle Faelle dabei. Ich habe jede Menge Leute kennengelernt: einen 31- oder 32-jaehrigen Belgier namens Uli, der in seiner Heimat alles aufgegeben hat und mit mir an Tag 2 und 3 unterwegs war, zwei Chilenen, einer davon mit 8-jaehriger Yogaerfahrung – somit habe ich meine Faszination fuer eine ganz spezielle Form von Yoga entdeckt und den Entschluss gefasst, nach meiner Rueckkehr auch damit anzufangen, um genauso beeindruckende Sachen mit meinem Koerper anstellen zu koennen wie der Rodrigo -, zwei sehr nette Deutsche, wovon ich einen mit Sicherheit auf der Faehre nach Puerto Montt wiedertreffen werde, zwei Israelis, die ich schon von Ushuaia her kannte – Israelis kennzulernen ist nicht ganz leicht, da sie nach 2- bzw. 3-jaehriger Militaerausbildung einfach eine zusammengeschweisste Gruppe bilden, einiges an Individualitaet einbuessen und es somit fuer einen Aussenstehenden nicht ganz einfach ist, Kontakt zu knuepfen -, zwei lustige Iren namens Gary und Garrick, …

Essensmaessig bin ich auch ganz gut ueber die Runden gekommen, da ich mir ab und zu unterwegs etwas kaufen konnte: Salami, Thunfisch, Dosenpfirsiche, … Ach, wie habe ich mich immer ueber meine heisse Milch gefreut! Ich habe jetzt eine ganz andere Einstellung zum Essen, eigentlich zu allem, da ich mit dem absolut Noetigsten auskommen muss – was mir auch ganz gut gelingt. Ich betrachte es nicht mehr als selbstverstaendlich, dass mittags um punkt 12 Uhr ein dampfendes, leckeres Essen auf dem Tisch steht.

Ich kann euch nur sagen: geniesst jeden Moment eures Lebens, so lange es noch nicht zu spaet ist. Beim Telefonieren mit meinen Eltern habe ich auf die Frage hin, wie es mir denn ginge, jedes Mal gesagt: wie immer halt. Ja, wie immer halt. Was soll sich denn schon gross aendern? Naiv von mir, denn von einer Sekunde auf die andere kann sich ein Leben um 180 Grad drehen, man mag es kaum glauben. Und ploetzlich steht man vor einer Sackgasse. Ich dachte mir immer, dass es auf jedes Problem eine Loesung geben muss. Aber aus einer Sackgasse fuehrt nur ein Weg heraus, Zeit kann man allerdings nicht zurueckdrehen. Die Uhr tickt kontinuierlich, egal was passiert. Das Leben ist so vergaenglich. Deshalb geniesst jeden einzelnen Tag, jeder Tag ist ein Geschenk. Vielleicht schaut es morgen schon ganz anders aus und ihr werdet mir dann zustimmen, solltet ihr es mir noch nicht glauben. Wer weiss?

Puerto Natales 1

Endlich bin ich wieder in Chile, meiner zweiten Heimat. Da werden Erinnerungen wach! Seit gestern bin ich mit einem 21-jaehrigen Taiwaner namens Paijun unterwegs, der in Santiago studiert. Wirklich ein sehr netter Kerl! Doch morgen werden sich unsere Wege wieder trennen, da er „lediglich“ fuer das „W“ Zeit hat. Vielleicht werde ich ihn aber in Santiago besuchen. Morgen geht es dann auch schon auf in den Parque Nacional Torres del Paine, eines der absoluten Oberhighlights meiner Suedamerikareise, die sich ja eigentlich eh schon als einziges Highlight entpuppt. Proviant habe ich fuer zehn bis zwoelf Tage dabei. Hoffe ich zumindest – mein Rucksack scheint mir doch, ein wenig leicht zu sein. Fuer die Umrundung nehme ich mit: 1200 Gramm Nudeln, einen Kilo Reis, 5 Paeckchen Salsa in Pulverform, 24 kleine Semmeln, einen Kilo Dulce de Leche (eine Art Karamelbrotaufstrich), 15 Keksrollen, knapp 400 Gramm Muesli, Milchpulver, Tee und Getraenkepulver. Fuer meine bisherigen Vier-Tages-Trekkingtouren hat meine Kalkulation perfekt gereicht, aber eine so lange Zeit habe ich mich noch nie aus dem Rucksack verpflegt. Ihr werdet von mir hoeren!

Ushuaia 2

Ich bin seit Donnerstag wieder alleine unterwegs. Der Maggi sollte am Sonntag gut und sicher in Muenchen gelandet sein. Ihn hat die Reiselust einfach nicht gepackt. Aber keine Sorge, ich halte bis Juni die Stellung, darin besteht kein Zweifel!

Ich bin soeben von meiner 4-Tages-Trekkingtour in der feuerlaendischen Wildnis zurueckgekommen. Der Wahnsinn war es – wie immer halt! Gegen diese Tour war der Fitz Roy wie eine Wanderung auf den Blomberg. Es gab keine Wege, keine Markierungen, … Nur mich und 100% pure, feuerlaendische Wildnis, dazu einen Kompass und eine Karte mit Wegbeschreibung.

Tag 1 – Ich bin problemlos fuer 20 Pesos zum Startpunkt gekommen, danach habe ich mich erst einmal im Wald verlaufen, weshalb ich mir den Weg freikaempfen musste. Es hat eine Weile gedauert bis ich die Berge den Namen auf meiner Karte zuordnen konnte, aber danach war es kein Problem mehr. Geschlafen habe ich oben in einem wunderschoenen Tal auf einer kleinen Halbinsel, umringt von leicht schneebedeckten, schroffen Felsgipfeln. Ich konnte es mir schliesslich nicht verkneifen, nackt in den eiskalten Bach zu springen. Absolute Freiheit eben! Der Wind, der an meinem Zelt wie bloed ruettelte, weckte mich gegen vier Uhr in der Frueh auf, doch mein Zelt stand bombenfest.

Tag 2 – Es ging hoch auf einen Pass, dank des Nebels bin ich dann ein Tal zu frueh abgestiegen. Also musste ich wieder hinauf zu einem anderen Pass, was mich insgesamt etwa zwei Stunden gekostet hat. Hinunter in ein anderes Tal, wo ich von Fels zu Fels huepfen musste, da der einzige „Weg“ durch eine Klamm gefuehrt hat. Ansonsten der uebliche Kampf mit Matsch, Straeuchern und Baeumen. Unten angekommen bin ich hinauf zu einer Lagune, wo ich die Nacht verbringen wollte. Mein Zelt stand dann auch sicher verankert an einem wunderschoenen Platz, weshalb ich mir nach einem anstrengenden, aber gelungenen Trekkingtag meine wohlverdiente Brotzeit schmecken lassen wollte. Also rein ins Zelt, Schlafsack ausgepackt und genau in dem Moment beginnt der Wind zu toben. Ich denke mir noch: du musst deinem Zelt vertrauen lernen, es hat ja die letzte Nacht auch gehalten, alles ganz easy. Doch ploetzlich kam eine unglaublich starke Windboee, die damit drohte, meine Zelt mitzureissen. Ich musste aus voller Kehle Schreien… Waahhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhhh!!! Etwa wie beim ersten Mal Achterbahnfahren. Ich denke mir: wie soll ich denn da schlafen, das ist doch nicht mehr normal! Und dann: Pennggggggg! Eine Zeltwand ist komplett in sich zusammengebrochen. Es hat zwei Stangenelemente aus Fieberglas einfach verbogen. Diese zurueck zu biegen, schafft nur ein Arnold Schwarzenegger! Ich nur: Kruzifix, Kruzifix, Kruzifix!!! Es ist nicht ganz leicht, nicht in Panik zu geraten, wenn man irgendwo mitten in der feuerlaendischen Wildnis um acht Uhr am Abend zwei Tagesmaersche von der naechsten Strasse, die zurueck in die Zivilisation fuehrt, entfernt auf einem Berg sitzt, waehrend es einem gerade sein achso tolles Zelt, eigentlich ein Ort der Geborgenheit, der Sicherheit, wie ein Kartenhaeuschen um die Ohren gefetzt hat.  Ich bin dann ein wenig abgestiegen, doch der Wind war ueberall zu stark, weshalb ich ein wenig windgeschuetzt hinter einem Felsen biwakiert habe, meine Zeltplane habe ich als Dach aufgespannt. Bis um drei Uhr in der Frueh lag ich wach mit Musik im Ohr und habe gehofft, dass der Wind nicht auch noch diese Plane wegreisst – es gab Schneeregen. Irgendwann bin ich dann eingeschlafen. Als ich die Augen wieder oeffnete, befand sich die Plane immer noch ueber mir. Hinterher war es echt geil!

Tag 3 – Alles verlief reibungslos. Am spaeten Nachmittag hat es angefangen zu regnen, weshalb ich die Nacht irgendwo im Wald in meinem verbogenen Zelt verbracht habe.

Tag 4 – Reibunglos. Nach einer halben Stunde des Wartens hat mich jemand mit nach Ushuaia genommen.

Fazit: vier Tage Wildnis, ich habe nur sechs Leute auf dem Weg getroffen. Top!

Morgen geht es in aller Fruehe auf nach Punta Arenas in Chile.

Ushuaia 1

Ich habe den suedamerikanischen Kontinent verlassen und befinde mich jetzt in der am suedlichst gelegenen Stadt der Welt namens Ushuaia auf Tierra del Fuego, Feuerland, welches als die groesste Insel Suedamerikas gilt. Die Fahrt von El Calafate dorthin hat nochmals 19 Stunden gedauert – wir mussten zuerst nach Chile, dann mit der Faehre ueber die Estrecho de Magallanes und schliesslich wieder nach Argentinien – und jetzt bin ich definitiv am Ende, am Arsch der Welt.

Gestern habe ich mir die Stadt angeschaut, habe jede Menge Organisatorisches erledigt – ich habe mein Busticket nach Punta Arenas am 6.2. und mein Ticket fuer die Faehre von Puerto Natales nach Puerto Montt am 22.2. gekauft, womit ich genuegend Zeit fuer die Torres del Peine Umrundung habe – und bin schliesslich am Abend auf einen Berg zu einem klitzekleinen Gletscher gestiegen – ich bin schon zu verwoehnt in Sachen Gletscher. Auf etwa 700 Meter hat es angefangen, ein wenig zu schneien. Zur Zeit ist Sommer in Ushuaia.

Doch die Stadt hat schon etwas Faszinierendes: von hier aus fahren Schiffe in die Antarktis, ein Geruch von Abenteuer liegt in der Luft am Ende der Welt, gleich hinter der Stadt ragen markante, immer noch mit Schnee bedeckte Berge in die Hoehe, von denen man den Blick auf den Canal Beagle geniessen kann. Dagegen dient Ushuaia als Zufluchtsort aus der unglaublichen Isoliertheit Feuerlands. Es gibt relativ schnelles Internet und vor allem gibt es wie in ganz Argentinien Warsteiner Bier. Bitte ueberlest mir die Ironie nicht!

Ansonsten habe ich im Hostel einen netten, 32-jaehrigen Polen kennengelernt, dessen Lieblingsreiseland definitiv Nepal ist, und zwei Israelinnen wiedergetroffen, die ich in San Pedro kennengelernt habe.

Jetzt mache ich mich auf in die Wildnis! Drei oder vier Tage Trekking stehen auf dem Programm, doch zuerst muss ich schauen, wie ich zu dem Startpunkt komme – zur Not nehme ich mir ein Taxi.

El Calafate

In El Calafate haben wir drei Tage verbracht. Ausgehungert wie ich war von den vier Tagen Trekking habe ich mich natuerlich beim All-You-Can-Eat fuer 30 Pesos regelrecht ueberfressen, was ich in der darauffolgenden Nacht noch bereuen sollte. Ansonsten habe ich mir natuerlich den Glaciar Perito Moreno im Parque Nacional Los Glaciares angeschaut, welcher vom Hielo Sur, der suedlichen Inlandeismasse, kommend in den tuerkisfarbenen Lago Argentino kalbt – die kleine Stadt verdankt ihren Wohlstand ausschliesslich diesem Naturwunder, welches als achtes Weltwunder betrachtet wird. Ab und zu hat der Gletscher bedrohliche Geraeusche von sich gegeben und hin und wieder sind sogar riesige Eisbrocken ins Wasser gestuerzt. Doch abgesehen davon konnte man dort nicht allzu viel machen, es sei denn, man gibt einen Haufen Geld aus, wobei ich mir El Calafate viel teurer vorgestellt haette. Aus diesem Grund habe ich dann doch schon einmal ein paar Souvenirs eingekauft.


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