Archiv für März 2008

La Paz 1

Von La Paz habe ich viel erwartet und im Grunde haelt die Stadt, eine der am schlimmsten verschmutzten Staedte weltweit, auch, was sie verspricht. Allerdings habe ich mich mit eher gemischten Gefuehlen auf den Weg von Sucre nach La Paz gemacht, denn Staedte, vor allem Grossstaedte, haben immer auch ihre Schattenseiten. Mein Reisefuehrer prophezeit einem nur das Schlechteste: Verkleidete Polizisten, die einem das Geld aus den Taschen ziehen, Leute, die einem Drogen verkaufen und anschliessend an die Bullen verpfeiffen, falsche Taxifahrer, die einen mit ihren falschen Taxis entfuehren und ausrauben, … Es waere also besser, hier niemandem zu vertrauen, niemandem zu glauben. Und genau in dieser Stadt spricht mich ein Mann an, der sich als Migel vorstellt, und mich schliesslich um Hilfe bittet: seine Mutter laege im Krankenhaus und haette sehr viel Blut verloren, weshalb sie natuerlich Blut benoetige, allerdings kostet Blut Geld – eine Packung Blut kostet laut ihm 180 Bolivianos, umgerechnet 18 Euro -, Geld, das er jedoch nicht hat. Seine Mutter benoetige insgesamt vier Packungen. Er bittet mich nun also um Geld. Wenn ich will, koennte ich seine Mutter auch sehen, allerdings ist das Krankenhaus nicht in der Naehe, man muesse mit dem Bus dorthin fahren. Vor mir sitzt ein Mann, den ich nicht kenne, den Traenen nahe, und seine Mutter liegt im Sterben. Was soll man in solch einer Situation machen? Was ist richtig, was ist falsch? Ich bin kein Arschloch! Und ich habe ein weiches Herz! Vielleicht zu weich! Ich habe ihm letztendlich etwa 17 Bolivianos – zu dem Zeitpunkt alles, was ich hatte – gegeben. Und ich sollte ihn heute um elf Uhr nochmals treffen. Doch ich habe mich dagegen entschieden! Treibt er das Geld nicht auf, wird seine Mutter sterben! Bin ich nun Schuld, wenn seine Mutter stirbt? Wegen etwa 80 fehlenden Euronen! Ich hoffe, er ist ein Luegner und kauft sich von meinem Geld kein Blut fuer seine im Sterben liegende Mutter, sondern ein Bier fuer sein verlogenes Maul! Sollte er allerdings die Wahrheit gesagt haben, was er bei Gott und bei seinem Herzen geschworen hatte, dann waeren all die schlechten Menschen da draussen, die mit der Gutmuetigkeit der Menschen spielen und somit dafuer sorgen, dass die Menschen auch noch ihren letzten Funken Waerme in ihren Herzen verlieren und immer kaelter und egoistischer werden, mindestens genauso mitschuldig an ihrem Tod wie ich es bin.

Eigentlich wollte ich mit dem Joost gestern das Nachtleben von La Paz auskosten, doch nach diesem Gespraech habe ich zumindest fuer den gestrigen Abend etwas von meiner ausgelassenen Froehlichkeit verloren. Nach lediglich zwei Dosen Bier und einer halben Flasche Wein musste ich kapitulieren und mich dem Schlaf ueberlassen.

Sucre

Sucre wird auch „la ciudad blanca“, die weisse Stadt genannt, weil die Haeuser im Stadtzentrum alle weiss angestrichen sind. Der Anteil an indigener Bevoelkerung ist hier spuerbar kleiner als beispielsweise in Potosí.

Mit dem David aus der Schweiz, den ich in Chile kennengelernt habe, habe ich mich per Mail verabredet. Aus diesem Grund habe ich ihn auf seinem Handy angerufen, doch niemand meldete sich. Fuenf Minuten spaeter stand er zufaellig vor mir. Bei einem Bier mit Blick auf die Stadt, waehrend sich die Sonne langsam schlafen legte, haben wir unsere letzten Erfahrungen und Eindruecke ausgetauscht. Es war nett, eine alte Reisebekanntschaft wiederzutreffen.

Ansonsten schreien uns die verrueckten, bolivianischen Schulmaedchen „celular“, Handy hinterher, kichern staendig und schiessen weiterhin Fotos mit ihren Handys von den europaeischen Rockstars.

Potosí 2

Egal wie scheisse euer Job auch sein mag, er kann unmoeglich beschissener sein als das, was die „Mineros“, die Minenarbeiter im Cerro Rico, dem reichen Berg, bei Potosí tagtaeglich leisten. Beim Gedanken an unsere Ausfluege ins Salzbergwerk kann ich nur lachen. Zwei verschiedene Welten. Genau in diesem Moment schuften sich selbst Kinder – zwischen 10 und fuenfzehn Jahren – in den winzigen, meist ungesicherten Schaechten wortwoertlich zu Tode. Ein Minero wird kaum aelter als 40 Jahre. Es faellt einem unglaublich schwer zu atmen – zum einen ist die Luft voller Staub, die einzige Frischluft kommt von den Eingaengen, zum anderen befinden sich die Minen auf etwa 4300 Meter, da faellt einem koerperliche Arbeit eh schon schwer genug. Im Gegensatz zu den „dicken Bolivianerinnen“, die den ganzen Tag nur herumsitzen und praktisch nichts tun, arbeiten die Mineros so schnell wie moeglich – stets mit einem Batzen Cocablaetter im Mund. Teils bis zu zehn, 12, 20 Stunden, je nachdem wie der Gruppenfuehrer entscheidet. So wie ich das verstanden habe, sind die Mineros allerdings sehr stolz auf ihren Beruf und sollten sie etwas finden – heutzutage hauptsaechlich Zinn -, koennen sie auch reich damit werden. Aber geniessen koennen sie ihr Leben dann trotzdem noch nicht, denn sie hoeren nicht auf damit, weiterzusuchen, um noch reicher zu werden. Fuer mich ist das kein Leben. Ihr koennt euch gar nicht vorstellen, wie froh all die Touristen waren, nach lediglich zwei Stunden schweissgebadet wieder Tageslicht erblicken zu duerfen und Frischluft einatmen zu koennen.

Potosí 1

Geht man in Potosí auch nur ein bisschen die Strasse hinauf, kommt man schon ausser Atem. Kein Wunder, denn wir befinden uns hier schliesslich auf rund 4060 Meter, womit Potosí die hoechstgelegene Stadt dieser Groesse weltweit ist. Wir haben uns dazu entschlossen, einen zusaetzlichen Tag einzulegen, da uns die Stadt so gut gefaellt. Wie ihr sicherlich wisst, bin ich kein Staedtefan, doch diese Stadt hat etwas Bsonderes an sich.

Vorhin wurde ich von drei bolivianischen Schulmaedchen gebeten, ein Foto von mir schiessen zu duerfen, was ich natuerlich nicht abgelehnt habe. So posierten Joost und ich gemeinsam mit den Bolivianerinen fuer ein Foto. Komische, aber sehr lustige Situation. Jetzt kennt man Screams Of Farewell also sogar schon in Bolivien. Ich dachte mir immer, ich waere der Tourist, ich waere derjenige, der jeden Schritt und Tritt mit seiner Kamera dokumentiert, doch diesmal war ich die „Touristen“attraktion. Ansonsten kann man hier alles kaufen, was man sich nur vorstellen kann: Original-CDs von Tokio Hotel, T-Shirts von Sodom und sogar Mortician, gefaelschte Fussballtrikots, unter anderem vom 1. FC Bayern Muenchen. Als die schon etwas aeltere Dame in der Wechselstube in Tupiza feststellte, dass ich Deutscher bin, meinte sie nur, dass wir sehr gute Musiker haetten. Sie hat dann selbstverstaendlich Rammstein erwaehnt, die bekannteste deutsche Band ueberhaupt, doch wir waren uns einig, dass das lediglich Mist sei. Die Scorpions waren ihr bekannt, woraufhin sie erstmal eine Platten von denen aufgelegt hat – die Schlange hinter mir hat sie nicht im Geringsten gestoert. Letztendlich musste ich ihr dann deutsche Bands empfehlen und auf einem Zettel aufschreiben: Die Toten Hosen, Die Aerzte, Hans Soellner. Auch die junge Dame von meinem Hostel wollte von mir Musikempfehlungen. Zur Zeit sind hier die beiden Russinnen von Tatu sehr beliebt. Es braucht also seine Zeit, bis unsere Musik und Co. Bolivien erreicht hat.

Morgen in der Frueh geht es in die Mine, am Abend weiter nach Sucre.

Uyuni

Soeben bin ich von meiner 4-Tages-Jeeptour zurueckgekommen. Wir, drei Hollaender, ein Guide, eine Koechin und ich, haben an die 1200 Kilometer zurueckgelegt, sind bis auf 5000 Meter mit dem Jeep hinaufgefahren, 6000er Vulkane, Lagunen – von tuerkisgruen bis orange -, Vicuñas, Llamas, Sonnenaufgang auf dem Salar de Uyuni, … Eines der Highlights meiner Reise – im Gegensatz zu dem Reitausflug.

Morgen geht es nach Potosi, wo ich eine Mine besichtigen will, danach nach Sucre und schliesslich nach La Paz, wo mindestens eine anspruchsvolle Trekkingtour, ein 6000er und die gefaehrlichste Strasse der Welt, die ich mit einem Mountainbike hinunterheizen moechte, auf mich warten. Die Tage bin ich mit einem 26-jaehrigen Hollaender namens Joost unterwegs, mit dem ich mich Stunden lang ueber Musik, Filme und Buecher unterhalten kann.

Das Einzige, was mir an Bolivien nicht gefaellt, ist das langsame Internet, ansonsten fuehle ich mich hier sehr wohl. Fuer meine heutige Unterkunft – ein Zweier-Zimmer, zahle ich 2,50 Euro.

Tupiza

Jetzt bin ich schon ueber sechs Monate unterwegs und erst gestern bin ich in Suedamerika angekommen! Zwar fuehlte ich mich schon vor und in dem Bus von Mendoza nach Jujuy (wieder) wie in Suedamerika – abgesehen von mir sassen in dem Bus ausschliesslich Indios, Frauen trugen ihre Kinder in bunten Tuechern auf dem Ruecken, neben mir schlief ein kleines Indianerkind auf dem Gang -, doch mit dem Ueberschreiten der argentinisch-bolivianischen Grenze bin ich in eine andere Welt eingetreten. Dicke Bolivianerinnen sitzen in ihren traditionellen Gewaendern auf der Strasse und bieten alles moegliche zum Verkauf an, eine Gruppe Kinder schreit mir Gringo hinterher, im Bus singt ein Strassenjunge um ein paar „Monedas“, Muenzen. Kein Hippie auf dieser Welt wuerde hier aus der Reihe tanzen. Die letzten drei Tage habe ich zum groessten Teil im Bus verbracht, um nun genau dort zu sein, wo ich sein will. In Bolivien! Hier scheint Zeit keine Rolle zu spielen! Zum ersten Mal fuehle ich mich im Menschengewimmel wohl, ich fuehle hier eine innere Ruhe. Es macht mir Freude, auf der Parkbank zu sitzen und einfach dem Treiben in den Strassen zuzusehen und die Leute zu beobachten. Wie ich es erwartet habe, gibt es in Bolivien nichts zu befuerchten! Die Menschen sind alle unglaublich nett! Und Bolivien ist wahnsinnig billig! Gestern habe ich in einem Tourischuppen zu Abend gegessen: einen halben Liter bolivianisches Bier fuer einen Euro, eine Pizza fuer zwei Euro fuenfzig! Fuer mein Luxushostel zahle ich drei Euro fuenfzig! Nur mit dem Essen finde ich mich noch nicht so zurecht. Ansonsten geht es mir so gut wie nie zuvor! Meine Reiselust ist wieder da!

In drei Stunden werde ich mich zum zweiten Mal in meinem Leben auf ein Pferd setzen – was ist schon eine Suedamerikareise ohne einen anstaendigen Reitausflug? -, um die bizarren Felsformationen um Tupiza herum zu erkunden, und morgen geht es bereits auf 4-taegige Jeeptour durch das Altiplano Richtung Salar de Uyuni, dem groessten und hoechstgelegenen Salzsee der Erde und demzufolge einem der ganz grossen Highlights meiner Reise. Die meisten Reisenden machen diese Tour von San Pedro de Atacama oder Uyuni aus. Von Tupiza aus sieht man jedoch noch mehr von dieser surrealistischen, wunderschoenen Landschaft!

Es gibt zwar in jeder Lehmhuette Internet, doch es ist nicht gerade das Schnellste, weshalb ihr euch mit Antworten auf Mails ein bisschen gedulden muesst. Neue Fotos wird es wahrscheinlich erst geben, wenn ich La Paz erreicht habe.

Mendoza

Gestern bin ich mit dem Bus von Santiago nach Mendoza, gefahren, wo ich spaet abends angekommen bin. In meinem Hostel steht den Gaesten ein grosses Weinfass zur freien Verfuegung und eine Klampfe steht auch in der Ecke, weshalb ich sehr zufrieden mit meiner Wahl bin. Allerdings moechte ich heute Abend schon die knapp 20-stuendige Busfahrt nach Jujuy in der Naehe der bolivianischen Grenze auf mich nehmen, um in etwa drei Tagen in Bolivien zu sein. Heute werde ich noch ein bisschen die Stadt anschauen, telefonieren und eine Buchhandlung suchen, die den Bolivien-Peru-Ecuador-Trekkingfuehrer verkaufen, um mich ein bisschen einzulesen und allmaehlich konkrete Plaene schmieden zu koennen.

Vielleicht noch ein paar Worte zum Bob Dylan Konzert: auch wenn er nicht mehr der Alte ist, bezeichne ich die Tatsache, Lieder wie zum Beispiel „Like A Rolling Stone“ – vom Altmeister persoenlich vorgetragen – gehoert zu haben, als i-Tuepfelchen meiner Reise. Unter anderem hat er folgende Lieder gespielt: „Leopard Skin Pill Box Hat“, „Highway 61 Revisited“, „Blowin’ In The Wind“, „Thunder On The Mountain“, „Masters Of War“, „Nettie Moore“, „Lay, Lady, Lay“, … Was ich jedoch festgestellt habe ist, dass die Suedamerikaner einen Kuenstler doch noch um einiges mehr feiern als wir Europaeer, was wahrscheinlich zum einen an der Mentalitaet, zum anderen einfach daran liegt, dass hier „Gringos“ nicht so oft spielen wie etwa in Deutschland.

Santiago de Chile 5

An Santiago hat sich seit September/Oktober 2007 nicht viel geaendert. Mir ist hier immer noch genauso langweilig wie damals, weshalb ich die meiste Zeit im Internet verbringe und sinnlosen Gruppen bei studivz beitrete und das obwohl ich (noch) gar kein Student bin. Mein Rueckflugticket habe ich jetzt in der Tasche. Am 18.6. betrete ich wieder bayrischen Boden! Ich habe immer noch niemanden besucht! Mit dem Julio habe ich telefoniert. Am Tag musste er arbeiten, am Abend hat er mir dann abgesagt, weil er zu kaputt und muede von seiner Arbeit war. Zum Pai koennte ich prinzipiell schon, aber irgendwie ist alles viel zu kompliziert! Es sind halt doch nur Reisebekanntschaften und wieder einmal merke ich, wie wertvoll eine echte Freundschaft ist! Unbezahlbar! Zudem springt mein Telefon nicht mehr an! Aus diesem Grunde werde ich mich morgen hoechstwahrscheinlich von Chile verabschieden und endlich Kurs auf Bolivien, Peru und Ecuador nehmen.

Doch bevor ich dem Land, in dem ich die meiste Zeit ueberhaupt verbracht habe – etwa vier Monate -, den Ruecken kehre, muss ich noch zwei negative Aspekte erwaehnen, die mich jedes Mal wieder aufregen. Zum einen das fehlende Umweltbewusstsein der Chilenen. Im Supermarkt gibt es an jeder Kasse meist einen zusaetzlichen Angestellten – oft Schueler oder Studenten, die sich ein paar Pesos dazu verdienen -, die nichts anderes zu tun haben, als die vom Kunden gekauften Waren in Plastiktueten zu packen. Schwerere Sachen wie zum Beispiel Flaschen werden natuerlich gleich in zwei Plastiktueten verpackt, denn Eine allein reicht nicht, die koennte ja wohlmoeglich reissen! Vorhin habe ich mir zum Mittagessen drei Semmeln, die eh schon in einer Plastiktuete verpackt waren, und eine Banane gekauft! Was macht nun die Warenverpackerin? Sie packt natuerlich die Plastiktuete mit den drei Semmeln und die eine Banane in eine andere, groessere Plastiktuete und erwartet fuer diese Taetigkeit vielleicht sogar noch ein Trinkgeld! Nicht mit mir! Ich packe die Sachen natuerlich wieder aus, klemme die eine Banane unter meinen Arm und spaziere zurueck zu meinem Hostel. Natuerlich betrachten mich die Angestellten des Supermarktes jetzt als Ausserirdischen. Zudem entdecken die Chilenen mehr und mehr ihre eigenen Nationalparks. Gleichzeitig findet man dort traurigerweise mehr und mehr Muell! Zum anderen ist es verboten, Produkte tierischen und pflanzlichen Ursprungs nach Chile zu importieren – riesige Warntafeln jagen dem Reisenden Angst ein und warnen vor hohen Geldstrafen. Normalerweise habe ich immer problemlos einen Apfel und ein bisschen Salami von Argentinien nach Chile „geschmuggelt“, doch an der Grenze von Bariloche nach Osorno haben es die Chilenen echt uebertrieben! Wir durften am chilenischen Grenzposten bestimmt ueber eine Stunde warten, weil drei bis vier Beamte den kompletten Bus nicht auf Drogen, sondern auf Produkte tierischen oder pflanzlichen Ursprungs durchsuchten. Und dann wurden auch noch saemtliche Gepaeckstuecke durch ein Strahlengeraet durchgelassen! Ich habe einen Apfel weggeschmissen, den ich in Bariloche auf der anderen Seite der Anden gekauft habe, aber natuerlich unmoeglich in Chile verzehren kann! Auf der ganzen Welt verrecken Leute, weil sie nichts zum Essen haben und selbst in Chile - im gar so armen Suedamerika - wird Essen einfach so weggeworfen. Absurd!

Genug gemeckert, ich kann es gar nicht mehr erwarten, voller Energie Bolivien zu erkunden!

Santiago de Chile 4

Gestern in der Frueh bin ich wieder in Santiago angekommen. Von Heimkehren kann aber nicht die Rede sein. Jeder Zweite hatte ein Iron Maiden T-Shirt an, weil die Briten gestern seit etwa 15 Jahren zum ersten Mal wieder in Chile gerockt haben. Tickets waren aber auf 28000 Besucher beschraenkt, weshalb ich unmoeglich eine Karte bekommen haette. Die meisten Fans haben wahrscheinlich unzaehlige Kilometer auf sich genommen, nur um die Band zu sehen. Dafuer habe ich meine Karte fuer das morgige Bob Dylan Konzert! War aber nicht viel billiger als letztes Jahr in Stuttgart. Ich hoffe, es lohnt sich!

Die Nacht habe ich in einem Hostel in der Naehe meiner ehemaligen Sprachschule verbracht. Am Abend habe ich mit zwei Portugiesen und zwei Hollaenderinnen gegrillt. Ich habe unter anderem zwei 1-Liter Flaschen Paulaner gestiftet. Ein Liter Paulaner kostet hier nur einen guten Euro!

Bis jetzt habe ich noch niemanden besucht. Die naechsten Naechte werde ich voraussichtlich beim Pai verbringen, dem Taiwaner, den ich in Punta Arenas kennengelernt habe. Heute muss ich mich nochmal um meinen Rueckflug kuemmern und vielleicht schaue ich bei meiner Sprachschule und bei meiner ehemaligen Vermieterin, der Bessie, vorbei. So richtig motiviert dazu bin ich allerdings nicht!

Meine Plaene fuer Bolivien, Peru und Ecuador werden inzwischen immer konkreter. Ich habe noch sehr viel vor!

Pucón 3

An mir geht die Reise sicherlich auch nicht spurlos vorrueber, doch am meisten leidet meine Ausruestung darunter – bei mir kann weniger von Leiden, als vielmehr von Profitieren die Rede sein: 2 Stangenelemente meines Zeltes sind verbogen, das Moskitonetz meines Innenzeltes musste ich schon flicken, ein Trekkingstock ging in Brueche, meine selbstaufblasbare Isomatte verliert staendig Luft, meine Kopfhoerer mussten ersetzt werden, meine geliebte H&M Sonnenbrille, die ich auf unserem Roadtrip nach Koeln gekauft habe, schwimmt irgendwo in einem Fluss am Fusse des Fitz Roy, die meisten meiner Socken schauen aus wie Schweizer Kaese, meine Bergschuhe loesen sich komplett auf, meine einzige Hose bekommt auch schon ihre ersten Loecher, …

An die Maennerwelt: nehmt euch in Acht vor der ersten richtigen Mid-Life-Crisis. Die kann naemlich schon viel frueher kommen, als man glauben mag. Nicht erst gegen 50, sondern zwischen 30 und 35. Inzwischen habe ich schon genuegend Reisende in diesem Alter kennengelernt, um daraus eine Regel formulieren zu koennen. Es trifft Maenner zwischen 30 und 35, meist Baenker, Informatiker oder Manager – Consulting und Finance sind zum Beispiel so Woerter, die mir ueberhaupt nix sagen, die ich aber immer von diesen Leuten zu hoeren bekomme -, sprich es handelt sich um Berufe, die einem keinen Spass machen, deren einziger Sinn darin besteht, moeglichst viel Geld zu erwirtschaften – mir kann keiner erzaehlen, dass ein Baenker einem Menschen einen Kredit gibt, um diesem Menschen zu ermoeglichen, sich eine eigene Existenz aufzubauen, ein Haus zu bauen oder sich seinen Traum zu erfuellen -, eine langjaehrige Beziehung ist vor kurzem zu Brueche gegangen, vielleicht darf sich der ein oder andere schon als geschieden bezeichnen. Deshalb Job gekuendigt und ab in die weite Welt. Und genau diese Leute, deren einziges Ziel nach dem Abitur es war, KARRIERE zu machen, treffe ich andauert in Suedamerika, wo sie dann ploetzlich realisieren, dass es auch noch andere Menschen auf der Welt gibt, Menschen, die nicht leben, um zu arbeiten, so wie diese Workaholics es tun, auch nicht arbeiten, um zu leben, so wie ich es tun will, sondern Menschen, die arbeiten, um zu UEBERLEBEN. Diese Erkenntnis bringt sie dann meistens zum Nachdenken. Ich weiss zwar nicht, ob es einen richtigen und einen falschen Weg im Leben gibt, was ich allerdings gelernt habe, ist, dass der oben beschriebene Weg definitiv der falsche Weg fuer micht ist und dass ich diesen Weg bestimmt nicht einschlagen werde. Ich lasse mich von der Arbeit sicherlich nicht versklaven. Viele moegen jetzt vielleicht schmunzeln. Mal schauen, was in 20 Jahren aus mir geworden ist.

Vorhin habe ich zwei verrueckte Brasilianer aus Porto Alegre, die ich mit dem Maggi in Buenos Aires kennengelernt habe, in meiner Hospedaje wiedergetroffen. Soviel zum alten Thema. Ich will mir jetzt uebrigens auch noch Iron Maiden in Santiago fuer schlappe 30 Euro anschauen!

Wen interessiert, welche Musik mich derzeit auf meinem Feldzug begleitet, der klicke hier und hoere sich vor allem das Lied „Lass’n leben, leben lassen“ an! Bis jetzt noch ein Geheimtipp, aber nicht mehr lange!

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