Archiv für April 2008

Nazca

Eigentlich habe ich es anfangs nicht geplant, mit einer 4-Mann-Cessna ueber die Nazca-Linien zu fliegen, doch eine Verkaeuferin hat mich schliesslich doch noch ueberreden koennen. Ich habe es nicht bereut. Der Sinn dieser in den trockenen Wuestenboden gezeichneten Bilder bleibt allerdings auch heute noch ein Raetsel. Meiner Meinung nach haben die Nazca diese Bilder einzig aus dem Grund angefertigt, damit heute Touristen aus aller Welt in das kleine Staedtchen stroemen. Ansonsten war ich gestern in einer netten Kneipe: drei Bier habe ich gezahlt, der Rest ging auf’s Haus!

Heute um fuenf Uhr geht mein Bus nach Cuzco, wo mich so einiges erwarten wird.

Arequipa 2

Die letzten Tage habe ich wandernd im Cañón del Colca verbracht. Anfangs habe ich mich verlaufen, weshalb ich ploetzlich in weglosem Gelaende gestanden bin und sich vor mir furchterregende Abgruende gezeigt haben. Doch als ich schliesslich den richtigen Weg gefunden habe, lief alles glatt. Ich bin in den Canyon hinabgestiegen, habe dort uebernachtet, bin von Dorf zu Dorf gewandert und vor dem anstrengenden Aufstieg – 1100 Hoehenmeter – noch in einen herrlichen Pool gesprungen. Die Frauen in dieser Gegend tragen ganz eigene Gewaender und beim Betrachten dieser Frauen ist mir so etwas wie ein Traditionsbewusstsein gekommen. Trotz saemtlichen Unterwegsseins ist es gut zu wissen, wo man herkommt, wo man Daheim ist, und es ist eine Schande, dass ich keine Lederhos’n besitze – als Bayer auf Reisen.

Heute fahre ich ueber Nacht nach Nazca, wo ich mir die Nazca-Linien anschauen will, bevor es nach Cuzco, der Gringohauptstadt, geht.

Arequipa 1

In La Paz am fruehen Morgen angekommen ging es nach zwei Stunden Aufenthalt im Busterminal auch schon wieder weiter ins peruanische Puno am Titicacasee. Dort musste ich umsteigen, um nach zwei Tagen Dauerbusfahren schliesslich in Arequipa anzukommen.

Peru hat wie jedes suedamerikanische Land seinen ganz eigenen Charme. Es erinnert doch noch ein bisschen an Bolivien – hin und wieder sitzt die ein oder andere Frau in traditionellen Gewaendern herum -, doch es ist viel organisierter, geordneter, strukturierter, auch wohlhabender als sein Nachbar. Man koennte auch sagen westlich angehauchter. Man sieht wieder huebsche Frauen herumlaufen – die spanischen Conquistadores hatten sichtlich ihre Finger mit im Spiel – und die Menschen sind generell viel weisser. Arequipa ist die zweit groesste und zweit wichtigste Stadt Perus – nach Lima –  und meiner Meinung nach findet man hier einen der schoensten Plazas Suedamerikas – dort musste ich heute einem Peruaner Franzoesischunterricht geben.

Morgen geht es in aller Fruehe Richtung Cañón del Colca - mit ueber 3000 Metern zweimal so tief wie der Grand Canyon und somit einer der tiefsten Canyons der Welt.

Rurrenabaque

Ich habe mich also doch noch dazu entschlossen, in den bolivianischen Amazonas zu fahren. Die Fahrt dorthin mit dem Bus hat gut ueber 20 Stunden gedauert und war mehr als abenteuerlich. Hat man sein Gesicht auch noch so fest an die Fensterscheibe gedrueckt, man sah oft nichts als gaehnende, bis zu 400 Meter tiefe Leere – von einer Strasse fehlte jede Spur!

Rurrenabaque, von den Einheimischen kurz Rurre genannt, ist ein nettes, kleines Touridorf mitten im Dschungel und es wimmelt nur so von Israelis. Auf einer 3-Tagestour haben wir so einiges erlebt: wir haben Piranhias gefischt, eine Anaconda gefangen, sind mit Delfinen geschwommen und konnten Krokodile, Schildkroeten, Affen, Voegel und die groesste, bis zu 50 Kilogramm schwere Ratte dieser Welt bewundern.

Danach ging es wieder mit dem Bus zurueck nach La Paz. Netterweise hat mir der 38-jaehrige Achmed aus der Tuerkei Fruehstueck, Mittagessen und Abendessen gezahlt, da ich mit ihm am Abend zuvor zu viel Geld versoffen habe. Lang lebe die muslimische Gastfreundschaft!

La Paz 3

Jawohl! Vierfaches Gipfelglueck auf dem 5370 Meter hohen Pequeño Alpamayo! Doch der Reihe nach:

Am Samstag um acht Uhr in der Frueh habe ich mich mit den beiden Bayern Andi (aus Niederbayern) und Markus (aus dem Allgaeu) und dem Bolivianer Vicente getroffen, um Richtung wahrscheinlich schoensten Berg Boliviens aufzubrechen. Doch leider hatte der Trottel von Taxifahrer von nichts eine Ahnung, weshalb wir fuenf Stunden bergauf und -ab mit vollem Gepaeck laufen durften, um erst einmal an den Ort zu gelangen, an dem er uns haette abliefern sollen. Dort haben wir dann den Michi getroffen, der eine Wanderung mit ein paar Touristen in dem Gebiet gefuehrt hatte. Eigentlich wollte er mit auf den Berg, doch er hatte Kopfschmerzen, weshalb er zurueck nach La Paz gefahren ist. So haben wir uns zu viert in das Basislager aufgemacht. Dort angekommen, haben wir viel zu viel gekocht. Keiner von uns hat mehr als ein paar Bissen hinuntergebracht – teils wegen der Hoehe, teils vielleicht auch wegen unseres uebermaessigen Cocablaetterkonsums. Um neun Uhr haben wir uns schliesslich in unseren warmen Daunenschlafsaecken verkrochen, denn am Sonntag um halb drei in der Frueh hat auch schon wieder der Wecker geklingelt. Noch im Dunkeln ging es Richtung Gletscher. Dann ging es nur noch bergauf. Irgendwann begann es, Tag zu werden. Um halb zehn standen wir auf dem Gipfel! Nach ein paar Fotos ging es wieder sehr steil bergab! In der steilsten Passage hat der Vicente einen seiner Steigeisen verloren! Gluecklicherweiser schaffte er den heiklen Abstieg mit einem Eisen, das Andere konnten wir spaeter retten! Schoen langsam wurde das Wetter immer schlechter! Ebenso die Sicht. Die schwierigsten Stellen sind wir seilfrei gegangen, ganz nach dem Motto: Lieber einer als alle! Jeder war fuer sich selbst verantwortlich. Es hat zu donnern und zu schneien angefangen, doch wir kamen alle heil unten im Basislager an. Bei der Rueckfahrt nach La Paz mussten wir Hand an dem Allradbus anlegen, da sich die Strasse in eine wahre Rutschbahn verwandelt hatte. Bergsteigertechnisch bisher das Geilste, was ich in meinem ganzen bisherigen Leben gemacht habe! Ich werde immer sicherer in der Hoehe und im Schnee und Eis.

Copacabana

Die Tage am Titicacasee waren einfach der Traum! Am ersten Tag bin ich mitsamt Campingausruestung von Copacabana nach Yampupata gewandert. Dabei bin ich durch zahlreiche Doerfer gekommen, habe viel mit Einheimischen gesprochen, bin mit einer Balsa, einem fuer den Titicacasee typischen Flechtenboot, gefahren, eine ganze Schulklasse ist mir schreiend hinterher gestuermt – Gringo!!! – und wollte wissen, wie ich heisse, woher ich komme und was ich so treibe. Schliesslich habe ich mich – im Gegensatz zu den meisten anderen Touristen, die sich faul von Copacabana mit einem Motorboot auf die Isla del Sol bringen lassen – von einem alten Fischer faul auf die Insel rudern lassen, wobei der Hund, der mich etwa 20 Kilometer lang auf Schritt und Tritt begleitet hat, heulend von mir Abschied nehmen musste. Die erste Nacht habe ich im Sueden der Insel gezeltet. Am zweiten Tag ging es dann in den wunderschoenen Norden, wo ich eine ganze Bucht komplett fuer mich alleine hatte. Den Tag habe ich damit verbracht, auf meinen vier Buchstaben zu sitzen und auf das bolivianische Meer zu blicken. Das Wasser war zwar kalt – der Titicacasee liegt auf gut 3800 Meter -, aber nicht so kalt, als dass ich es mir haette nehmen lassen, nackt in den groessten See Suedamerikas zu springen. Ich kam mir weniger in Bolivien, als vielmehr auf einer griechischen Insel vor. Am dritten Tag ging es wieder zurueck per Motorboot nach Copacabana, wo ich noch ein paar Bierchen zusammen mit dem in Kolumbien geborenen, aber in den Vereinigten Staaten lebenden Diego, den ich in ganz Bolivien immer wieder zufaellig treffe – ebenso wie einen Spaniern -, getrunken habe.

Zurueck in La Paz habe ich mir heute die gesamte Ausruestung – Steigeisen, Schuhe, Helm, Hose, Jacke, Handschuhe, Gamaschen, … – ausgeliehen, die ich fuer die kommenden beiden Tage benoetige, um den Gipfel des 5370 Meter hohen Pequeño Alpamayo zu erreichen. Ich freue mich!

Sorata

Aus meiner Trekkingtour wurde leider nichts, da dichter Nebel nur knapp ueber Sorata hing und somit den Blick auf saemtliche Berge versperrte, weshalb ich mich beim besten Willen nicht aufraffen haette koennen, mich den Berg hinaufzuschinden. Doch es gibt ein paar Erlebnisse zu berichten, die man in keinem Lonely Planet findet: Auf der Hinfahrt musste sich die eh schon schlecht riechende Bolivianerin neben mir uebergeben. Daraufhin hantierte sie mit der vollgekotzten Plastiktuete vor meinem Gesicht herum. Der traditionelle Rock wurde kurzer Hand als Taschentuch umfunktioniert. Zu guter Letzt machte sie einen Knoten in die Tuete und – anstatt sie ordentlich zu entsorgen – warf sie einfach vor meine Fuesse auf den Boden des Busses. Mahlzeit! Zudem bin ich auf der herrlichen Terrasse meines Hostels mit drei Cholitas – dicken, aelteren Bolivianerinnen in traditionellen Gewaendern – ins Gespraech gekommen. Sie haben mich auf ein Glas Pepsi und eine Semmel mitsamt Avocado eingeladen. Eine von ihnen hatte angetrocknetes Blut im ganzen Gesicht, da sie am Abend davor auf dem Plaza des idyllischen Bergdoerfchens zusammengeschlagen worden war, weil sie ein bisschen Geld bei sich hatte. Anscheinend gibt es hier wirklich ein paar Bekloppte, doch das kann einem genauso gut in Lenggries passieren. Als wir mit dem Essen fertig waren, wurden die Avocadoschalen in eine Plastiktuete gepackt und im hohen Bogen ueber die Veranda auf die darunterliegende Strasse geworfen, was einen Affen sehr erfreute, der uns daraufhin auf Trapp hielt. Gestern, als ich wieder zurueck nach La Paz gefahren bin, verzog sich der Nebel und ich bekam zum ersten Mal die gesamte Cordillera Real zu Gesicht. Wahnsinn! Ungluecklicherweise fuhr mein Minibus nur bis El Alto, eine an sich eigenstaendige Stadt mit fast ausschliesslich indigener Bevoelkerung, die an La Paz angrenzt und in der man als Gringo lediglich als wandelnder Dollarschein betrachtet wird. Ein Taxifahrer sprach mich an. Zehn Bolivianos erschienen mir mehr als guenstig bis ins Zentrum. Ich stieg trotzdem ein, da das Taxi und der Taxifahrer in Ordnung zu sein schienen. Zehn Sekunden spaeter stieg auf der Rueckbank ein weiterer Fahrgast ein. Wieder zehn Sekunden spaeter hielt das Taxi am rechten Fahrbahnrand. Ein Polizist in Zivil hielt uns seinen Ausweis vor unsere Nasen, er wolle die Ausweise sehen. Die Beiden zeigten sie natuerlich sofort her, der Mann hinter mir war aus Peru, doch mir wurde die Sache zu brenzlig – fuer zwei Sekunden ist mir das Herz in die Hose gerutscht – und ich stieg aus. Leckt mich doch am Arsch ihr Grattler! Gluecklicherweise machte der Taxifahrer ohne zu Murren den Kofferraum auf, damit ich mir meinen Rucksack schnappen konnte – was ich im Nachhinein nicht ganz begreife. Komischerweise fuhr der Polizist in Zivil schliesslich im Taxi davon.

Gestern habe ich mich noch einmal mit dem Michi getroffen. Fuer Samstag, Sonntag steht der Pequeño Alpamayo auf dem Programm, was ich mir nicht entgehen lassen werde. Leider hat er nicht ganz 6000 Meter, dafuer ist es der wahrscheinlich schoenste Berg ganz Boliviens. Somit habe ich noch ein paar Tage, die ich aber nicht in La Paz, sondern am Titicacasee, dem hoechstgelegenen schiffbaren See der Welt, in Copacabana und auf der wunderschoenen Isla del Sol verbringen werde. Nach dem Berg werde ich vielleicht noch einen Abstecher in den bolivianischen Amazonas machen, bevor ich dem Land Lebewohl sagen muss.

La Paz 2

Vorgestern habe ich den Dreadlocks-tragenden Michi, einen oesterreichischen Bergfuehrer, der seit etwa vier Jahren in La Paz lebt und den ich auf einer typischen San Pedro-Lagerfeuer-Party schaetzungweise gegen vier Uhr in der Frueh – wir beide waren vom Alkohol schon befluegelt - kennengelernt habe, in einer netten Kneipe auf ein Bier wiedergetroffen. Dieser Michi hat eine recht nette Lebensgeschichte zu erzaehlen: irgendwann hatte er die Schnauze voll von Oesterreich, weshalb er seine sieben Sachen gepackt hat und sich auf den langen Weg nach Neuseeland gemacht hat, wo er vom Scheisshausputzer und Tellerwaescher bis zum Skilehrer jeden erdenklichen Job gehabt hat. Irgendwann wurde ihm dann sein Pass gestohlen. Daraufhin wollte er nach Costa Rica und mit Kindern im sozialen Bereich arbeiten. Er konnte allerdings noch kein Spanisch, weshalb er nach Buenos Aires flog. Er wollte auf dem Weg nach Costa Rica Spanisch lernen. Doch bis heute ist er noch nicht angekommen, denn er ist in Bolivien bei einer huebschen Bolivianerin haengengeblieben und seitdem lebt er hier. Wenn er keine Berge besteigt, begleitet er Reisegruppen durch ganz Suedamerika und bekommt dafuer auch noch Geld. Dank dem Michi habe ich Kontakt zu Bergfuehrern in Bolivien. Somit werde ich im Laufe der naechsten Woche den 6088 Meter hohen Huayna Potosí besteigen – und das quasi fuer Lau! Es geht nichts ueber Kontakte! Ein weiterer Traum geht fuer mich in Erfuellung!

Gestern bin ich mit dem Mountainbike die gefaehrlichste Strasse der Welt, die sogenannte Death Road, von La Cumbre in der Naehe von La Paz ins etwa 80 Kilometer enfernt gelegene Yolosa hinuntergedonnert. Man startet auf 4700 Meter, man endet auf 1100 Meter! Dazwischen geht es – abgesehen von einem kleinen Stueck – 3600 Meter nur bergab! Solch eine Strasse zeigt mir mal jemand in den Alpen! Die Schotterstrasse ist lediglich drei Meter breit und sollte man die eh schon rutschige Kurve uebersehen – es war sehr nebelig -, landet man im schlimmsten Fall 1000 Meter tiefer im dichten Regenwald. Man mag es kaum glauben: selbst dieses Abenteuer habe ich ueberlebt! Auf dem Rueckweg musste ich mich aus einem Grund, den ich hier nicht weiter ausfuehren will, in der ekligsten Toilette von ganz Bolivien uebergeben.

Morgen fahre ich nach Sorata, dem bolivianischen Trekkingparadies, wo ich eine 3-Tages-Tour, die auf ueber 5000 Meter hinauf fuehrt, durchziehen werde. Darf man den Fotos glauben, sieht es dort aus wie in Tibet!


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