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Rurrenabaque

Ich habe mich also doch noch dazu entschlossen, in den bolivianischen Amazonas zu fahren. Die Fahrt dorthin mit dem Bus hat gut ueber 20 Stunden gedauert und war mehr als abenteuerlich. Hat man sein Gesicht auch noch so fest an die Fensterscheibe gedrueckt, man sah oft nichts als gaehnende, bis zu 400 Meter tiefe Leere – von einer Strasse fehlte jede Spur!

Rurrenabaque, von den Einheimischen kurz Rurre genannt, ist ein nettes, kleines Touridorf mitten im Dschungel und es wimmelt nur so von Israelis. Auf einer 3-Tagestour haben wir so einiges erlebt: wir haben Piranhias gefischt, eine Anaconda gefangen, sind mit Delfinen geschwommen und konnten Krokodile, Schildkroeten, Affen, Voegel und die groesste, bis zu 50 Kilogramm schwere Ratte dieser Welt bewundern.

Danach ging es wieder mit dem Bus zurueck nach La Paz. Netterweise hat mir der 38-jaehrige Achmed aus der Tuerkei Fruehstueck, Mittagessen und Abendessen gezahlt, da ich mit ihm am Abend zuvor zu viel Geld versoffen habe. Lang lebe die muslimische Gastfreundschaft!

La Paz 3

Jawohl! Vierfaches Gipfelglueck auf dem 5370 Meter hohen Pequeño Alpamayo! Doch der Reihe nach:

Am Samstag um acht Uhr in der Frueh habe ich mich mit den beiden Bayern Andi (aus Niederbayern) und Markus (aus dem Allgaeu) und dem Bolivianer Vicente getroffen, um Richtung wahrscheinlich schoensten Berg Boliviens aufzubrechen. Doch leider hatte der Trottel von Taxifahrer von nichts eine Ahnung, weshalb wir fuenf Stunden bergauf und -ab mit vollem Gepaeck laufen durften, um erst einmal an den Ort zu gelangen, an dem er uns haette abliefern sollen. Dort haben wir dann den Michi getroffen, der eine Wanderung mit ein paar Touristen in dem Gebiet gefuehrt hatte. Eigentlich wollte er mit auf den Berg, doch er hatte Kopfschmerzen, weshalb er zurueck nach La Paz gefahren ist. So haben wir uns zu viert in das Basislager aufgemacht. Dort angekommen, haben wir viel zu viel gekocht. Keiner von uns hat mehr als ein paar Bissen hinuntergebracht – teils wegen der Hoehe, teils vielleicht auch wegen unseres uebermaessigen Cocablaetterkonsums. Um neun Uhr haben wir uns schliesslich in unseren warmen Daunenschlafsaecken verkrochen, denn am Sonntag um halb drei in der Frueh hat auch schon wieder der Wecker geklingelt. Noch im Dunkeln ging es Richtung Gletscher. Dann ging es nur noch bergauf. Irgendwann begann es, Tag zu werden. Um halb zehn standen wir auf dem Gipfel! Nach ein paar Fotos ging es wieder sehr steil bergab! In der steilsten Passage hat der Vicente einen seiner Steigeisen verloren! Gluecklicherweiser schaffte er den heiklen Abstieg mit einem Eisen, das Andere konnten wir spaeter retten! Schoen langsam wurde das Wetter immer schlechter! Ebenso die Sicht. Die schwierigsten Stellen sind wir seilfrei gegangen, ganz nach dem Motto: Lieber einer als alle! Jeder war fuer sich selbst verantwortlich. Es hat zu donnern und zu schneien angefangen, doch wir kamen alle heil unten im Basislager an. Bei der Rueckfahrt nach La Paz mussten wir Hand an dem Allradbus anlegen, da sich die Strasse in eine wahre Rutschbahn verwandelt hatte. Bergsteigertechnisch bisher das Geilste, was ich in meinem ganzen bisherigen Leben gemacht habe! Ich werde immer sicherer in der Hoehe und im Schnee und Eis.

Copacabana

Die Tage am Titicacasee waren einfach der Traum! Am ersten Tag bin ich mitsamt Campingausruestung von Copacabana nach Yampupata gewandert. Dabei bin ich durch zahlreiche Doerfer gekommen, habe viel mit Einheimischen gesprochen, bin mit einer Balsa, einem fuer den Titicacasee typischen Flechtenboot, gefahren, eine ganze Schulklasse ist mir schreiend hinterher gestuermt – Gringo!!! – und wollte wissen, wie ich heisse, woher ich komme und was ich so treibe. Schliesslich habe ich mich – im Gegensatz zu den meisten anderen Touristen, die sich faul von Copacabana mit einem Motorboot auf die Isla del Sol bringen lassen – von einem alten Fischer faul auf die Insel rudern lassen, wobei der Hund, der mich etwa 20 Kilometer lang auf Schritt und Tritt begleitet hat, heulend von mir Abschied nehmen musste. Die erste Nacht habe ich im Sueden der Insel gezeltet. Am zweiten Tag ging es dann in den wunderschoenen Norden, wo ich eine ganze Bucht komplett fuer mich alleine hatte. Den Tag habe ich damit verbracht, auf meinen vier Buchstaben zu sitzen und auf das bolivianische Meer zu blicken. Das Wasser war zwar kalt – der Titicacasee liegt auf gut 3800 Meter -, aber nicht so kalt, als dass ich es mir haette nehmen lassen, nackt in den groessten See Suedamerikas zu springen. Ich kam mir weniger in Bolivien, als vielmehr auf einer griechischen Insel vor. Am dritten Tag ging es wieder zurueck per Motorboot nach Copacabana, wo ich noch ein paar Bierchen zusammen mit dem in Kolumbien geborenen, aber in den Vereinigten Staaten lebenden Diego, den ich in ganz Bolivien immer wieder zufaellig treffe – ebenso wie einen Spaniern -, getrunken habe.

Zurueck in La Paz habe ich mir heute die gesamte Ausruestung – Steigeisen, Schuhe, Helm, Hose, Jacke, Handschuhe, Gamaschen, … – ausgeliehen, die ich fuer die kommenden beiden Tage benoetige, um den Gipfel des 5370 Meter hohen Pequeño Alpamayo zu erreichen. Ich freue mich!

Sorata

Aus meiner Trekkingtour wurde leider nichts, da dichter Nebel nur knapp ueber Sorata hing und somit den Blick auf saemtliche Berge versperrte, weshalb ich mich beim besten Willen nicht aufraffen haette koennen, mich den Berg hinaufzuschinden. Doch es gibt ein paar Erlebnisse zu berichten, die man in keinem Lonely Planet findet: Auf der Hinfahrt musste sich die eh schon schlecht riechende Bolivianerin neben mir uebergeben. Daraufhin hantierte sie mit der vollgekotzten Plastiktuete vor meinem Gesicht herum. Der traditionelle Rock wurde kurzer Hand als Taschentuch umfunktioniert. Zu guter Letzt machte sie einen Knoten in die Tuete und – anstatt sie ordentlich zu entsorgen – warf sie einfach vor meine Fuesse auf den Boden des Busses. Mahlzeit! Zudem bin ich auf der herrlichen Terrasse meines Hostels mit drei Cholitas – dicken, aelteren Bolivianerinnen in traditionellen Gewaendern – ins Gespraech gekommen. Sie haben mich auf ein Glas Pepsi und eine Semmel mitsamt Avocado eingeladen. Eine von ihnen hatte angetrocknetes Blut im ganzen Gesicht, da sie am Abend davor auf dem Plaza des idyllischen Bergdoerfchens zusammengeschlagen worden war, weil sie ein bisschen Geld bei sich hatte. Anscheinend gibt es hier wirklich ein paar Bekloppte, doch das kann einem genauso gut in Lenggries passieren. Als wir mit dem Essen fertig waren, wurden die Avocadoschalen in eine Plastiktuete gepackt und im hohen Bogen ueber die Veranda auf die darunterliegende Strasse geworfen, was einen Affen sehr erfreute, der uns daraufhin auf Trapp hielt. Gestern, als ich wieder zurueck nach La Paz gefahren bin, verzog sich der Nebel und ich bekam zum ersten Mal die gesamte Cordillera Real zu Gesicht. Wahnsinn! Ungluecklicherweise fuhr mein Minibus nur bis El Alto, eine an sich eigenstaendige Stadt mit fast ausschliesslich indigener Bevoelkerung, die an La Paz angrenzt und in der man als Gringo lediglich als wandelnder Dollarschein betrachtet wird. Ein Taxifahrer sprach mich an. Zehn Bolivianos erschienen mir mehr als guenstig bis ins Zentrum. Ich stieg trotzdem ein, da das Taxi und der Taxifahrer in Ordnung zu sein schienen. Zehn Sekunden spaeter stieg auf der Rueckbank ein weiterer Fahrgast ein. Wieder zehn Sekunden spaeter hielt das Taxi am rechten Fahrbahnrand. Ein Polizist in Zivil hielt uns seinen Ausweis vor unsere Nasen, er wolle die Ausweise sehen. Die Beiden zeigten sie natuerlich sofort her, der Mann hinter mir war aus Peru, doch mir wurde die Sache zu brenzlig – fuer zwei Sekunden ist mir das Herz in die Hose gerutscht – und ich stieg aus. Leckt mich doch am Arsch ihr Grattler! Gluecklicherweise machte der Taxifahrer ohne zu Murren den Kofferraum auf, damit ich mir meinen Rucksack schnappen konnte – was ich im Nachhinein nicht ganz begreife. Komischerweise fuhr der Polizist in Zivil schliesslich im Taxi davon.

Gestern habe ich mich noch einmal mit dem Michi getroffen. Fuer Samstag, Sonntag steht der Pequeño Alpamayo auf dem Programm, was ich mir nicht entgehen lassen werde. Leider hat er nicht ganz 6000 Meter, dafuer ist es der wahrscheinlich schoenste Berg ganz Boliviens. Somit habe ich noch ein paar Tage, die ich aber nicht in La Paz, sondern am Titicacasee, dem hoechstgelegenen schiffbaren See der Welt, in Copacabana und auf der wunderschoenen Isla del Sol verbringen werde. Nach dem Berg werde ich vielleicht noch einen Abstecher in den bolivianischen Amazonas machen, bevor ich dem Land Lebewohl sagen muss.

La Paz 2

Vorgestern habe ich den Dreadlocks-tragenden Michi, einen oesterreichischen Bergfuehrer, der seit etwa vier Jahren in La Paz lebt und den ich auf einer typischen San Pedro-Lagerfeuer-Party schaetzungweise gegen vier Uhr in der Frueh – wir beide waren vom Alkohol schon befluegelt - kennengelernt habe, in einer netten Kneipe auf ein Bier wiedergetroffen. Dieser Michi hat eine recht nette Lebensgeschichte zu erzaehlen: irgendwann hatte er die Schnauze voll von Oesterreich, weshalb er seine sieben Sachen gepackt hat und sich auf den langen Weg nach Neuseeland gemacht hat, wo er vom Scheisshausputzer und Tellerwaescher bis zum Skilehrer jeden erdenklichen Job gehabt hat. Irgendwann wurde ihm dann sein Pass gestohlen. Daraufhin wollte er nach Costa Rica und mit Kindern im sozialen Bereich arbeiten. Er konnte allerdings noch kein Spanisch, weshalb er nach Buenos Aires flog. Er wollte auf dem Weg nach Costa Rica Spanisch lernen. Doch bis heute ist er noch nicht angekommen, denn er ist in Bolivien bei einer huebschen Bolivianerin haengengeblieben und seitdem lebt er hier. Wenn er keine Berge besteigt, begleitet er Reisegruppen durch ganz Suedamerika und bekommt dafuer auch noch Geld. Dank dem Michi habe ich Kontakt zu Bergfuehrern in Bolivien. Somit werde ich im Laufe der naechsten Woche den 6088 Meter hohen Huayna Potosí besteigen – und das quasi fuer Lau! Es geht nichts ueber Kontakte! Ein weiterer Traum geht fuer mich in Erfuellung!

Gestern bin ich mit dem Mountainbike die gefaehrlichste Strasse der Welt, die sogenannte Death Road, von La Cumbre in der Naehe von La Paz ins etwa 80 Kilometer enfernt gelegene Yolosa hinuntergedonnert. Man startet auf 4700 Meter, man endet auf 1100 Meter! Dazwischen geht es – abgesehen von einem kleinen Stueck – 3600 Meter nur bergab! Solch eine Strasse zeigt mir mal jemand in den Alpen! Die Schotterstrasse ist lediglich drei Meter breit und sollte man die eh schon rutschige Kurve uebersehen – es war sehr nebelig -, landet man im schlimmsten Fall 1000 Meter tiefer im dichten Regenwald. Man mag es kaum glauben: selbst dieses Abenteuer habe ich ueberlebt! Auf dem Rueckweg musste ich mich aus einem Grund, den ich hier nicht weiter ausfuehren will, in der ekligsten Toilette von ganz Bolivien uebergeben.

Morgen fahre ich nach Sorata, dem bolivianischen Trekkingparadies, wo ich eine 3-Tages-Tour, die auf ueber 5000 Meter hinauf fuehrt, durchziehen werde. Darf man den Fotos glauben, sieht es dort aus wie in Tibet!

La Paz 1

Von La Paz habe ich viel erwartet und im Grunde haelt die Stadt, eine der am schlimmsten verschmutzten Staedte weltweit, auch, was sie verspricht. Allerdings habe ich mich mit eher gemischten Gefuehlen auf den Weg von Sucre nach La Paz gemacht, denn Staedte, vor allem Grossstaedte, haben immer auch ihre Schattenseiten. Mein Reisefuehrer prophezeit einem nur das Schlechteste: Verkleidete Polizisten, die einem das Geld aus den Taschen ziehen, Leute, die einem Drogen verkaufen und anschliessend an die Bullen verpfeiffen, falsche Taxifahrer, die einen mit ihren falschen Taxis entfuehren und ausrauben, … Es waere also besser, hier niemandem zu vertrauen, niemandem zu glauben. Und genau in dieser Stadt spricht mich ein Mann an, der sich als Migel vorstellt, und mich schliesslich um Hilfe bittet: seine Mutter laege im Krankenhaus und haette sehr viel Blut verloren, weshalb sie natuerlich Blut benoetige, allerdings kostet Blut Geld – eine Packung Blut kostet laut ihm 180 Bolivianos, umgerechnet 18 Euro -, Geld, das er jedoch nicht hat. Seine Mutter benoetige insgesamt vier Packungen. Er bittet mich nun also um Geld. Wenn ich will, koennte ich seine Mutter auch sehen, allerdings ist das Krankenhaus nicht in der Naehe, man muesse mit dem Bus dorthin fahren. Vor mir sitzt ein Mann, den ich nicht kenne, den Traenen nahe, und seine Mutter liegt im Sterben. Was soll man in solch einer Situation machen? Was ist richtig, was ist falsch? Ich bin kein Arschloch! Und ich habe ein weiches Herz! Vielleicht zu weich! Ich habe ihm letztendlich etwa 17 Bolivianos – zu dem Zeitpunkt alles, was ich hatte – gegeben. Und ich sollte ihn heute um elf Uhr nochmals treffen. Doch ich habe mich dagegen entschieden! Treibt er das Geld nicht auf, wird seine Mutter sterben! Bin ich nun Schuld, wenn seine Mutter stirbt? Wegen etwa 80 fehlenden Euronen! Ich hoffe, er ist ein Luegner und kauft sich von meinem Geld kein Blut fuer seine im Sterben liegende Mutter, sondern ein Bier fuer sein verlogenes Maul! Sollte er allerdings die Wahrheit gesagt haben, was er bei Gott und bei seinem Herzen geschworen hatte, dann waeren all die schlechten Menschen da draussen, die mit der Gutmuetigkeit der Menschen spielen und somit dafuer sorgen, dass die Menschen auch noch ihren letzten Funken Waerme in ihren Herzen verlieren und immer kaelter und egoistischer werden, mindestens genauso mitschuldig an ihrem Tod wie ich es bin.

Eigentlich wollte ich mit dem Joost gestern das Nachtleben von La Paz auskosten, doch nach diesem Gespraech habe ich zumindest fuer den gestrigen Abend etwas von meiner ausgelassenen Froehlichkeit verloren. Nach lediglich zwei Dosen Bier und einer halben Flasche Wein musste ich kapitulieren und mich dem Schlaf ueberlassen.

Sucre

Sucre wird auch „la ciudad blanca“, die weisse Stadt genannt, weil die Haeuser im Stadtzentrum alle weiss angestrichen sind. Der Anteil an indigener Bevoelkerung ist hier spuerbar kleiner als beispielsweise in Potosí.

Mit dem David aus der Schweiz, den ich in Chile kennengelernt habe, habe ich mich per Mail verabredet. Aus diesem Grund habe ich ihn auf seinem Handy angerufen, doch niemand meldete sich. Fuenf Minuten spaeter stand er zufaellig vor mir. Bei einem Bier mit Blick auf die Stadt, waehrend sich die Sonne langsam schlafen legte, haben wir unsere letzten Erfahrungen und Eindruecke ausgetauscht. Es war nett, eine alte Reisebekanntschaft wiederzutreffen.

Ansonsten schreien uns die verrueckten, bolivianischen Schulmaedchen „celular“, Handy hinterher, kichern staendig und schiessen weiterhin Fotos mit ihren Handys von den europaeischen Rockstars.

Potosí 2

Egal wie scheisse euer Job auch sein mag, er kann unmoeglich beschissener sein als das, was die „Mineros“, die Minenarbeiter im Cerro Rico, dem reichen Berg, bei Potosí tagtaeglich leisten. Beim Gedanken an unsere Ausfluege ins Salzbergwerk kann ich nur lachen. Zwei verschiedene Welten. Genau in diesem Moment schuften sich selbst Kinder – zwischen 10 und fuenfzehn Jahren – in den winzigen, meist ungesicherten Schaechten wortwoertlich zu Tode. Ein Minero wird kaum aelter als 40 Jahre. Es faellt einem unglaublich schwer zu atmen – zum einen ist die Luft voller Staub, die einzige Frischluft kommt von den Eingaengen, zum anderen befinden sich die Minen auf etwa 4300 Meter, da faellt einem koerperliche Arbeit eh schon schwer genug. Im Gegensatz zu den „dicken Bolivianerinnen“, die den ganzen Tag nur herumsitzen und praktisch nichts tun, arbeiten die Mineros so schnell wie moeglich – stets mit einem Batzen Cocablaetter im Mund. Teils bis zu zehn, 12, 20 Stunden, je nachdem wie der Gruppenfuehrer entscheidet. So wie ich das verstanden habe, sind die Mineros allerdings sehr stolz auf ihren Beruf und sollten sie etwas finden – heutzutage hauptsaechlich Zinn -, koennen sie auch reich damit werden. Aber geniessen koennen sie ihr Leben dann trotzdem noch nicht, denn sie hoeren nicht auf damit, weiterzusuchen, um noch reicher zu werden. Fuer mich ist das kein Leben. Ihr koennt euch gar nicht vorstellen, wie froh all die Touristen waren, nach lediglich zwei Stunden schweissgebadet wieder Tageslicht erblicken zu duerfen und Frischluft einatmen zu koennen.

Potosí 1

Geht man in Potosí auch nur ein bisschen die Strasse hinauf, kommt man schon ausser Atem. Kein Wunder, denn wir befinden uns hier schliesslich auf rund 4060 Meter, womit Potosí die hoechstgelegene Stadt dieser Groesse weltweit ist. Wir haben uns dazu entschlossen, einen zusaetzlichen Tag einzulegen, da uns die Stadt so gut gefaellt. Wie ihr sicherlich wisst, bin ich kein Staedtefan, doch diese Stadt hat etwas Bsonderes an sich.

Vorhin wurde ich von drei bolivianischen Schulmaedchen gebeten, ein Foto von mir schiessen zu duerfen, was ich natuerlich nicht abgelehnt habe. So posierten Joost und ich gemeinsam mit den Bolivianerinen fuer ein Foto. Komische, aber sehr lustige Situation. Jetzt kennt man Screams Of Farewell also sogar schon in Bolivien. Ich dachte mir immer, ich waere der Tourist, ich waere derjenige, der jeden Schritt und Tritt mit seiner Kamera dokumentiert, doch diesmal war ich die „Touristen“attraktion. Ansonsten kann man hier alles kaufen, was man sich nur vorstellen kann: Original-CDs von Tokio Hotel, T-Shirts von Sodom und sogar Mortician, gefaelschte Fussballtrikots, unter anderem vom 1. FC Bayern Muenchen. Als die schon etwas aeltere Dame in der Wechselstube in Tupiza feststellte, dass ich Deutscher bin, meinte sie nur, dass wir sehr gute Musiker haetten. Sie hat dann selbstverstaendlich Rammstein erwaehnt, die bekannteste deutsche Band ueberhaupt, doch wir waren uns einig, dass das lediglich Mist sei. Die Scorpions waren ihr bekannt, woraufhin sie erstmal eine Platten von denen aufgelegt hat – die Schlange hinter mir hat sie nicht im Geringsten gestoert. Letztendlich musste ich ihr dann deutsche Bands empfehlen und auf einem Zettel aufschreiben: Die Toten Hosen, Die Aerzte, Hans Soellner. Auch die junge Dame von meinem Hostel wollte von mir Musikempfehlungen. Zur Zeit sind hier die beiden Russinnen von Tatu sehr beliebt. Es braucht also seine Zeit, bis unsere Musik und Co. Bolivien erreicht hat.

Morgen in der Frueh geht es in die Mine, am Abend weiter nach Sucre.

Uyuni

Soeben bin ich von meiner 4-Tages-Jeeptour zurueckgekommen. Wir, drei Hollaender, ein Guide, eine Koechin und ich, haben an die 1200 Kilometer zurueckgelegt, sind bis auf 5000 Meter mit dem Jeep hinaufgefahren, 6000er Vulkane, Lagunen – von tuerkisgruen bis orange -, Vicuñas, Llamas, Sonnenaufgang auf dem Salar de Uyuni, … Eines der Highlights meiner Reise – im Gegensatz zu dem Reitausflug.

Morgen geht es nach Potosi, wo ich eine Mine besichtigen will, danach nach Sucre und schliesslich nach La Paz, wo mindestens eine anspruchsvolle Trekkingtour, ein 6000er und die gefaehrlichste Strasse der Welt, die ich mit einem Mountainbike hinunterheizen moechte, auf mich warten. Die Tage bin ich mit einem 26-jaehrigen Hollaender namens Joost unterwegs, mit dem ich mich Stunden lang ueber Musik, Filme und Buecher unterhalten kann.

Das Einzige, was mir an Bolivien nicht gefaellt, ist das langsame Internet, ansonsten fuehle ich mich hier sehr wohl. Fuer meine heutige Unterkunft – ein Zweier-Zimmer, zahle ich 2,50 Euro.

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