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Huaraz 3

Das Wetter hat uns die Aufstiege auf den Urus und auf den Ishinca zwar erschwert (starker Schneefall und dichtester Nebel), doch trotz allem wurde – wie nicht anders zu erwarten – die bayrische Fahne zwei Mal gehisst. Da die Saison erst noch beginnt, mussten wir das wunderschoen gelegene Base Camp nur mit zwei Schweizern, drei Italienern, zwei Japanern und zwei Amerikanern teilen. Beim Abstieg ins Tal haben wir schliesslich noch eine Tegernseerin und einen Muenchner getroffen. Die Hoehe machte mir ueberhaupt keine Probleme mehr, da ich bestens akklimatisiert bin. Fazit: Vier unvergessliche, aber zugleich anstrengende Tage!

Heute wird die Huayhuash Umrundung geplant. So wie es ausschaut, werden Stefan und ich zusammen mit dem Edgar morgen aufbrechen!

Huaraz 2

Ich bin mehr als zufrieden, was ich am gestrigen Tag alles organisieren konnte. Das Herumlaufen hat sich gelohnt! Heute gehe ich mit dem Edgar, meinem Bergfuehrer fuer die naechsten vier Tage, zum Felsklettern. Morgen begeben wir uns dann auf eine 4-taegige Expedition. Diesmal stehen gleich zwei Berge auf dem Programm: der 5420 Meter hohe Urus und der 5530 Meter hohe Ishinca. Zudem habe ich ueber ein deutsch-hollaendisches Paerchen einen jungen Deutschen namens Stefan kennengelernt, mit dem ich voraussichtlich ab Samstag die Huayhuash Umrundung gehen werde. Als Lektuere habe ich passenderweise Joe Simpsons „Touching The Void“ (Sturz ins Leere) auf dem Nachttischlein liegen und meinen T.C. Boyle konnte ich nach langer Sucherei – man mag es kaum fuer moeglich halten – gegen Gerhard Polts „Manege frei!“ eintauschen. Ereignisreiche Tage stehen mir bevor!

Huaraz 1

Kurz ein Nachtrag zu Lima: Im Nachhinein betrachtet war die Stadt doch nicht ganz so schlimm, wie ich es geschildert habe. Natuerlich, es gibt ein paar Ecken, von denen man sich als Gringo fernhalten sollte, und es mag vielleicht auch mehr Kriminelle als in den meisten anderen Staedten geben, aber Lima hat auch schoene Seiten – wenn auch wenige. Das Stadtzentrum bietet grossartige Architektur und in den etwas ausserhalb gelegenen, wohlhabenderen Stadtvierteln wie zum Beispiel Miraflores soll es sich viel angenehmer leben lassen. Seit Ewigkeiten habe ich mal wieder nicht in einem Einzelzimmer, sondern in einem Dormitorio geschlafen, weshalb es nicht schwer fiel, zwei deutsche Abiturientinnen kennenzulernen, mit denen ich am Abend noch in einer netten Bar war. Der Long Island war bestens gemischt!

Gestern Abend bin ich schliesslich im Bergsteiger-Mekka Perus namens Huaraz angekommen. Die Saison hat gerade erst begonnen, weshalb es nicht ganz leicht ist, jemanden zu finden, der mit mir in zehn Tagen die Cordillera Huayhuash – eine der besten Trekkingtouren ueberhaupt – umrundet. Eine Australierin hat sich vorhin schon interessiert gezeigt, sie will sich bei mir melden. Mal schauen, was daraus wird. Spaetestens am Dienstag moechte ich aufbrechen. Sollte ich bis dahin niemanden gefunden haben, werde ich zuerst alleine vier Tage lang Richtung Alpamayo – laut dem DAV der schoenste Berg dieser Erde – aufbrechen und danach noch einmal schauen, ob sich andersweitig etwas ergeben hat. Huaraz hat einfach zu viel zu bieten, allerdings laeuft mir die Zeit davon.

Die beiden Deutschen haben mir Ecuador schmackhaft gemacht. Klein, aber fein! Nach Huaraz moechte ich deshalb so schnell wie moeglich ueber die Grenze – drei Wochen fuer Ecuador waeren schon noch schoen!

Den heutigen Samstag Abend nutze ich dazu, um vielleicht in einer der zahlreichen Bars jemanden fuer die Huayhuash Umrundung zu finden.

Lima

Heute morgen bin ich nach einer wieder einmal eisig kalten Nachtbusfahrt, auf der ein Mann versucht hat, meinen Geldbeutel, waehrend ich mich im Halbschlaf befand, zu klauen – Gott sei Dank habe ich seine Hand in meiner Hosentasche bemerkt und noch rechtzeitig die Augen geoeffnet -, in der Hauptstadt Perus angekommen. Die Stadt bietet alles, was ich verabscheue: Etwa neun Millionen Menschen, von denen ich keinen einzigen kenne – 50 % davon scheinen Verbrecher zu sein -, viel Verkehr, Gehupe, Hektik, … Da unser Bus nicht in das Terminal fahren durfte, mussten wir ausserhalb aussteigen. Die Fahrgaeste wollten aber nicht, da sie meinten, man wuerde uns letztendlich nur bestehlen. Mein Taxifahrer musste auch immer das Fenster auf- und zumachen, damit sich nicht ein Grattler mein Handgepaeck blitztschnell schnappt. Irgendein Bolivianer wollte mit mir vorhin ein Bier trinken, nachdem er mich auf der Strasse angesprochen hat. Ich bin mir sicher, dass er nicht nur ein Bier wollte. Daraufhin bin ich ueber eine Bruecke in einen anderen Stadtteil gegangen, bis mich schliesslich zwei aeltere Strassenverkaeuferinnen darauf hingewiesen haben, dass ich als Gringo nicht in diese Richtung weitergehen soll, da sie mich mit Sicherheit ausrauben wuerden. Ich habe mich hoefflich bedankt und bin umgekehrt. Ansonsten erinnert mich die Stadt rein optisch sehr an Buenos Aires.

Lima scheint eine scheiss gefaehrliche Stadt zu sein, weshalb ich mich schon darauf freue, morgen in aller Fruehe nach Huaraz Richtung Cordillera Blanca aufzubrechen.

Zum Schluss noch eine kleine Anekdote: Eines Abends war ich mit einer Chilenin, einer Argentinierin und einem Argentinier in Cuzco unterwegs, die auf der Strasse Hippie-Armbaendchen und Halsketten verkaufen, um sich ein paar Soles dazuzuverdienen. Irgendwann sind alle drei fuer eine Viertelstunde verschwunden, so dass ich mein Glueck als Verkaeufer versuchen durfte. Natuerlich verkaufte ich nichts. Spasseshalber habe ich eine aeltere Dame angesprochen, die ein paar fuer die Andenlaender typischen Muetzen verkauft. Sie meinte, meine Armbaender waeren sehr schoen, und hat mich dann gefragt, wie viel ich schon verkauft haette. Wenige, das Geschaeft liefe schlecht, gab ich ihr als Antwort. Daraufhin meinte sie, sie haette heute keinen einzigen Artikel an den Touristen gebracht. Auf diese Art und Weise verdient sie ihren Lebensunterhalt, waehrend ich nach 15 Minuten wieder in die Rolle des reichen Touristen schluepfen konnte.

Cuzco

Ich treibe mich seit einiger Zeit in (und in der Gegend von) Cuzco herum. Die Stadt gefaellt mir sehr gut und es laesst sich hier leicht aushalten. Gestern bin ich von einem 4-Tages-Trip Richtung Machu Picchu zurueckgekommen:

Tag 1 – Es stand mal wieder Downhillbiken auf dem Programm. Die Bikes waren zwar Schrott, aber ein sehr temperamentvoller Argentinier namens René gab uns mit zwei ueberaus gelungenen Stuerzen guten Grund zu lachen.

Tag 2 – An diesem Tag wanderten wir auf einem echten Inkapfad durch dichteste Vegetation. Beeindruckend was hier alles waechst: Bananen, Kaffee, Avocados, Ananas, Orangen, Papayas, Hanf, …

Tag 3 – Wieder Wandern, doch leider machte mir mein Magen aus mir nicht bekannten Gruenden ordentlich zu schaffen. Ich musste mich zweimal uebergeben, weshalb ich die ueberwaeltigende Landschaft nicht wirklich geniessen konnte.

Tag 4 – Machu Picchu. Sehr beeindruckend, aber unverschaemt teuer. Die Besteigung des Huayna Picchu, auf dessen Gipfel ich mich drei Stunden lang dem Nichtstun hingegeben habe, war der Hoehepunkt. Vor dem Abstieg nach Aguas Calientes musste ich mich noch einmal uebergeben. Dafuer hatte ich Gelegenheit, mich bei dem Achmed fuer seine Grosszuegigkeit zu revangieren. Er hat mich in einem Internetcafé in dem touristischsten Dorf der Welt “zufaellig“ angerempelt.

Die naechsten Tage werde ich das Nachtleben Cuzcos auskosten, bevor ich Richtung Lima beziehungsweise Huaraz aufbreche.

Nazca

Eigentlich habe ich es anfangs nicht geplant, mit einer 4-Mann-Cessna ueber die Nazca-Linien zu fliegen, doch eine Verkaeuferin hat mich schliesslich doch noch ueberreden koennen. Ich habe es nicht bereut. Der Sinn dieser in den trockenen Wuestenboden gezeichneten Bilder bleibt allerdings auch heute noch ein Raetsel. Meiner Meinung nach haben die Nazca diese Bilder einzig aus dem Grund angefertigt, damit heute Touristen aus aller Welt in das kleine Staedtchen stroemen. Ansonsten war ich gestern in einer netten Kneipe: drei Bier habe ich gezahlt, der Rest ging auf’s Haus!

Heute um fuenf Uhr geht mein Bus nach Cuzco, wo mich so einiges erwarten wird.

Arequipa 2

Die letzten Tage habe ich wandernd im Cañón del Colca verbracht. Anfangs habe ich mich verlaufen, weshalb ich ploetzlich in weglosem Gelaende gestanden bin und sich vor mir furchterregende Abgruende gezeigt haben. Doch als ich schliesslich den richtigen Weg gefunden habe, lief alles glatt. Ich bin in den Canyon hinabgestiegen, habe dort uebernachtet, bin von Dorf zu Dorf gewandert und vor dem anstrengenden Aufstieg – 1100 Hoehenmeter – noch in einen herrlichen Pool gesprungen. Die Frauen in dieser Gegend tragen ganz eigene Gewaender und beim Betrachten dieser Frauen ist mir so etwas wie ein Traditionsbewusstsein gekommen. Trotz saemtlichen Unterwegsseins ist es gut zu wissen, wo man herkommt, wo man Daheim ist, und es ist eine Schande, dass ich keine Lederhos’n besitze – als Bayer auf Reisen.

Heute fahre ich ueber Nacht nach Nazca, wo ich mir die Nazca-Linien anschauen will, bevor es nach Cuzco, der Gringohauptstadt, geht.

Arequipa 1

In La Paz am fruehen Morgen angekommen ging es nach zwei Stunden Aufenthalt im Busterminal auch schon wieder weiter ins peruanische Puno am Titicacasee. Dort musste ich umsteigen, um nach zwei Tagen Dauerbusfahren schliesslich in Arequipa anzukommen.

Peru hat wie jedes suedamerikanische Land seinen ganz eigenen Charme. Es erinnert doch noch ein bisschen an Bolivien – hin und wieder sitzt die ein oder andere Frau in traditionellen Gewaendern herum -, doch es ist viel organisierter, geordneter, strukturierter, auch wohlhabender als sein Nachbar. Man koennte auch sagen westlich angehauchter. Man sieht wieder huebsche Frauen herumlaufen – die spanischen Conquistadores hatten sichtlich ihre Finger mit im Spiel – und die Menschen sind generell viel weisser. Arequipa ist die zweit groesste und zweit wichtigste Stadt Perus – nach Lima –  und meiner Meinung nach findet man hier einen der schoensten Plazas Suedamerikas – dort musste ich heute einem Peruaner Franzoesischunterricht geben.

Morgen geht es in aller Fruehe Richtung Cañón del Colca - mit ueber 3000 Metern zweimal so tief wie der Grand Canyon und somit einer der tiefsten Canyons der Welt.

Rurrenabaque

Ich habe mich also doch noch dazu entschlossen, in den bolivianischen Amazonas zu fahren. Die Fahrt dorthin mit dem Bus hat gut ueber 20 Stunden gedauert und war mehr als abenteuerlich. Hat man sein Gesicht auch noch so fest an die Fensterscheibe gedrueckt, man sah oft nichts als gaehnende, bis zu 400 Meter tiefe Leere – von einer Strasse fehlte jede Spur!

Rurrenabaque, von den Einheimischen kurz Rurre genannt, ist ein nettes, kleines Touridorf mitten im Dschungel und es wimmelt nur so von Israelis. Auf einer 3-Tagestour haben wir so einiges erlebt: wir haben Piranhias gefischt, eine Anaconda gefangen, sind mit Delfinen geschwommen und konnten Krokodile, Schildkroeten, Affen, Voegel und die groesste, bis zu 50 Kilogramm schwere Ratte dieser Welt bewundern.

Danach ging es wieder mit dem Bus zurueck nach La Paz. Netterweise hat mir der 38-jaehrige Achmed aus der Tuerkei Fruehstueck, Mittagessen und Abendessen gezahlt, da ich mit ihm am Abend zuvor zu viel Geld versoffen habe. Lang lebe die muslimische Gastfreundschaft!

La Paz 3

Jawohl! Vierfaches Gipfelglueck auf dem 5370 Meter hohen Pequeño Alpamayo! Doch der Reihe nach:

Am Samstag um acht Uhr in der Frueh habe ich mich mit den beiden Bayern Andi (aus Niederbayern) und Markus (aus dem Allgaeu) und dem Bolivianer Vicente getroffen, um Richtung wahrscheinlich schoensten Berg Boliviens aufzubrechen. Doch leider hatte der Trottel von Taxifahrer von nichts eine Ahnung, weshalb wir fuenf Stunden bergauf und -ab mit vollem Gepaeck laufen durften, um erst einmal an den Ort zu gelangen, an dem er uns haette abliefern sollen. Dort haben wir dann den Michi getroffen, der eine Wanderung mit ein paar Touristen in dem Gebiet gefuehrt hatte. Eigentlich wollte er mit auf den Berg, doch er hatte Kopfschmerzen, weshalb er zurueck nach La Paz gefahren ist. So haben wir uns zu viert in das Basislager aufgemacht. Dort angekommen, haben wir viel zu viel gekocht. Keiner von uns hat mehr als ein paar Bissen hinuntergebracht – teils wegen der Hoehe, teils vielleicht auch wegen unseres uebermaessigen Cocablaetterkonsums. Um neun Uhr haben wir uns schliesslich in unseren warmen Daunenschlafsaecken verkrochen, denn am Sonntag um halb drei in der Frueh hat auch schon wieder der Wecker geklingelt. Noch im Dunkeln ging es Richtung Gletscher. Dann ging es nur noch bergauf. Irgendwann begann es, Tag zu werden. Um halb zehn standen wir auf dem Gipfel! Nach ein paar Fotos ging es wieder sehr steil bergab! In der steilsten Passage hat der Vicente einen seiner Steigeisen verloren! Gluecklicherweiser schaffte er den heiklen Abstieg mit einem Eisen, das Andere konnten wir spaeter retten! Schoen langsam wurde das Wetter immer schlechter! Ebenso die Sicht. Die schwierigsten Stellen sind wir seilfrei gegangen, ganz nach dem Motto: Lieber einer als alle! Jeder war fuer sich selbst verantwortlich. Es hat zu donnern und zu schneien angefangen, doch wir kamen alle heil unten im Basislager an. Bei der Rueckfahrt nach La Paz mussten wir Hand an dem Allradbus anlegen, da sich die Strasse in eine wahre Rutschbahn verwandelt hatte. Bergsteigertechnisch bisher das Geilste, was ich in meinem ganzen bisherigen Leben gemacht habe! Ich werde immer sicherer in der Hoehe und im Schnee und Eis.

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